Die Satire «Chorprobe» von Dietmar Bittrich dreht sich um ein Ensemble, das sich wöchentlich zur Probe trifft. Der Dirigent ist abgehoben, manipulativ und durch einen grossen Auftrag des Gemeindepräsidenten unter Erfolgsdruck. Als Folge reiben sich die Chormitglieder immer mehr aneinander, und alle verfolgen zusätzlich auch noch ihre eigenen Interessen… Das Stück stellt die zentrale Frage: Wie viel ist man bereit, in einer Gemeinschaft auszuhalten? Und vor allem: Was ist mein persönliches «Warum»?
Doppelte Herausforderung
Für die Schauspielerinnen und Schauspieler des Theatervereins Toffen ist diese Produktion ein Novum. Erstmals werden sie professionell von einem Opernsänger und einer Pianistin begleitet. Die Regie führt Gian Pietro Incondi, welcher die «Chorprobe» in der Vergangenheit bereits einmal aufgeführt hat. «Die beiden Leitungen inspirieren sich gegenseitig», erzählt Franziska Brönnimann, Theaterschauspielerin und Vorstandsmitglied des Theatervereins. «Eine besondere Herausforderung für das Ensemble liegt im mehrstimmigen Gesang, der parallel zum schauspielerischen Detailreichtum gemeistert werden muss.»
Schauspielkunst ganz nah
Im Gegensatz zum Freilichttheater, wo die Wirkung des schauspielerischen Ausdrucks in die Weite funktionieren muss, erlaubt die kleine Indoor-Bühne ein Spiel bis in die feinste Mimik. «Man kann sich schauspielerisch weiterentwickeln, weil es auf jedes Detail ankommt», so Brönnimann. Auch das Eintauchen in die eigene Rolle wird durch Kostüm und Textarbeit intensiviert. Franziska Brönnimann spielt die «Barbara», eine Figur, die den Dirigenten verehrt und zwischen unterordnender Hingabe und aufkeimendem Widerstand schwankt – ein emotionaler Gratwanderungsakt.
Ein Stück zum Mitnehmen
Seit Oktober wird geprobt, zunächst getrennt nach Gesang und Schauspiel, nun verschmelzen die Disziplinen. Ab Februar finden drei Proben pro Woche statt, oft in Begleitung einer Pianistin. Das Ergebnis ist ein dichtes Geflecht aus Musik und Schauspiel, bei dem die Akteure gefordert sind wie nie zuvor. Es gibt kein Durchschnaufen auf der Bühne.
Das Publikum darf sich auf eine Produktion freuen, die unterhält und zugleich zum Nachdenken anregt. Die Hoffnung der Mitwirkenden ist, dass die Zuschauer nicht nur Freude am Gesang und Spiel haben, sondern die Geschichte mit nach Hause nehmen. Vielleicht stellt sich der eine oder die andere die Frage: «Gibt es auch in meinem Leben Orte, an denen ich zu wenig für mich einstehe?» Ein theatralischer Spiegel, der, garniert mit dem ein oder anderen herzhaften Lacher, zur ganz persönlichen Innenschau anregt.
Info:
Fr, 10. April bis Mi, 13. Mai
Kulturzentrum Toffen
theater-toffen.ch