Aufgrund von Bauarbeiten in Valbella (GR) mussten 2020 mehrere Bäume auf dem Land von Daniel und Christine Hänni gefällt werden. Für die Ersatzpflanzungen zog das Ehepaar das Beratungsprogramm «Biodiversität verpachten» von Pro Natura zur Hilfe. Das Projekt bietet Verpächtern von Landwirtschaftsland eine kostenlose Beratung für Biodiversitätsförderung. Hännis liessen sich auf eine Beratung ein und so kam es zum ersten Treffen mit der Beraterin Bea Vonlanthen. Sie ist Biologin und arbeitet für die Agrofutura AG, ein Beratungsbüro an der Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und
Biodiversität.
Mehr Mut zur Unordnung
Daniel Hänni besitzt ein Grundstück in Valbella (GR). Eine saubere Bewirtschaftung der Wiese führte dazu, dass keine wertvolle Saumvegetation mehr vorhanden war. «Was ich nie vergessen werde, ist, als Bea mir gesagt hat, ich solle mehr Mut zur Unordnung haben», sagt Daniel Hänni lachend. Nach der Beratung entschied er zusammen mit dem Bauern, verschiedene der vorgeschlagenen Massnahmen umzusetzen.
Neue Herausforderungen in Toffen
Dank der guten Zusammenarbeit meldete sich Hänni kurze Zeit später erneut bei Vonlanthen mit der Bitte, ihn nochmals zu beraten. Diesmal ging es um ein Stück Land an seinem Hauptwohnsitz in Toffen. Es handelt sich um 1,5 Hektar Ackerland. Die Voraussetzungen in diesem Fall waren ganz anders, denn im Gegensatz zu der freundschaftlichen Beziehung zum Bewirtschafter in Valbella kannte Hänni die langjährigen Pächter in Toffen kaum. Pro Natura zeigte sich bereit, eine weitere Beratung über das Projekt «Biodiversität verpachten» zu unterstützen. Gemeinsam mit Vonlanthen entwickelte er auch für die zweite Fläche Ideen, wie das Land ökologisch aufgewertet werden könnte. Nun ging es darum, die Bauernfamilie mit an Bord zu holen.
Austausch auf Augenhöhe
Der Bauer gesteht, dass er und sein Vater befürchteten, dass ihnen jemand vom Naturschutz nun strikt vorschreiben möchte, was sie zu tun und zu lassen haben. «Aber das haben wir gedacht, bevor wir Bea kennengelernt haben. Manchmal hat man eben Vorurteile, wenn man etwas nicht gewohnt ist. Wir waren positiv überrascht von dem Gespräch.» Das Ziel des Gesprächs war, sich kennenzulernen und die Umsetzbarkeit der angedachten Ideen zu besprechen. Geplant war die Neuansaat einer Blumenwiese auf 40 Aren und auf weiteren 40 Aren eine Buntbrache: Hänni wünschte sich zudem einen Verzicht auf Pflanzenschutzmittel auf der gesamten Parzelle. Bea Vonlanthen betont: «Für mich als Beraterin ist es immer sehr wichtig, zu hören, was die Bauern dazu sagen, denn sie müssen am Schluss die Flächen bewirtschaften.» Es geht ihr bei den Beratungen nicht darum, Veränderungen um jeden Preis zu erzwingen, sondern die beste Lösung für alle Parteien zu finden. So ging man auf den Wunsch des Bauers ein, die Buntbrache auf einer Nachbarparzelle umzusetzen, da sich die Fläche von Daniel Hänni auf besonders fruchtbarem Ackerland befindet. Man entschied ausserdem gemeinsam, den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel nicht in den Pachtvertrag aufzunehmen. Der Bauer erklärt, dass er die Unkrautbekämpfung trotzdem wann immer möglich mechanisch durchführt. Die Blumenwiese wurde im Herbst 2025 angesät. Nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch die Beziehung zwischen Daniel Hänni und dem Bauern wurde positiv beeinflusst.
Nicole Gähwiler
Interessierte Grundbesitzende können sich für eine kostenlose Beratung melden unter: biodiversitaet.verpachten@pronatura.ch, 061 317 91 91