Riesenrad, Festzelt, Stände – und hunderte von Menschen, die sich dazwischen tummeln: Mitte Mai fand zum ersten Mal seit neun Jahren wieder ein Belpfest statt. Neben Lunapark und den gastronomischen Angeboten der verschiedenen Vereine prägte die BEXPO, die Ausstellung der KMU, den Anlass. Glücksrad, Fotoautomat, Bobanschieben, WC-Bürsten-Werfen, die korrekte Anzahl Münzen schätzen und mehr: Die Besuchenden fanden auf eine unterhaltsame Art Zugang zu den Gewerbetreibenden der Region. Diese hatten aber nicht nur die Organisation ihres Standes zu stemmen, sondern trugen gemeinsam mit den Vereinen und der Gemeinde entscheidend zum Gelingen des Anlasses bei. Denn der Aufwand dafür ist immens.
Wenn, dann gemeinsam
«Ohne Gewerbler, die am Karren ziehen, käme das nicht zustande», sagt die Belper-KMU-Präsidentin und OK-Mitglied Nicole Jost wenige Wochen vor dem Belpfest. Die letzten reinen Gewerbeausstellungen fanden 2004, 2009 und 2015 statt, dazu kam das Dorffest von 2017 – danach war, auch coronabedingt, Pause. Das mehrfache OK-Mitglied der vergangenen Feste und Ausstellungen Andreas Gurtner gab schliesslich die Initialzündung für die diesjährige Ausgabe. Bald einmal war klar: Wenn man etwas macht, dann nur gemeinsam. Denn es geht nicht nur darum, das eigene Geschäft zu präsentieren. Gemeinderat und OK-Mitglied Hans-Peter Iseli betont: «Ein Dorf braucht Gemeinschaft. Gerade für den Zusammenhalt ist etwas Grösseres, etwas gemeinsam durch KMU, Vereine und Gemeinde Organisiertes, wichtig. Die Leute freuen sich darauf.»
Direkter Kontakt
Doch Vorfreude und der Wille, etwas für die Gemeinschaft zu tun, reichen nicht aus. Es muss auch angepackt werden. Unzählige Stunden brüteten die OK-Mitglieder über Sicherheitskonzepten, Infrastrukturplänen, Gastronomieangeboten und Einsatzlisten für Helfende. «So etwas ist mit Kosten und Zeitaufwand verbunden. Der Aufwand mit Material und Personal ist nicht für alle Unternehmerinnen und Unternehmer machbar. Zumal man sich im Internet auch bequemer zeigen kann.» Doch Jost relativiert: «Ich bin nach wie vor überzeugt davon, dass der direkte Kontakt zum Menschen Vertrauen schafft.» Iseli pflichtet ihr bei: «Es gibt zwar Antworten im Internet, aber wer zum Beispiel neue Hausinstallationen braucht oder sich über Technologien erkundigen will, profitiert davon, direkt mit Fachleuten reden zu können.» Beide zollen den Ausstellenden Respekt, denn, wie Nicole Jost – selbst Unternehmerin mit Elektro Jost – sagt: «Eigentlich müsste kein Handwerker einen Stand haben, denn der grösste Teil hat volle Auftragsbücher.» Sie fügt an: «Und doch ist es wichtig, dass die Belper Bevölkerung ihre Aufträge hier vergibt. Darum schätze ich alle Gewerbler, die teilnehmen.»
Für die Bevölkerung
Eine starke Region verfüge über eine interessierte Bevölkerung, die sich über Vereine oder das Gewerbe in die Region investiert, so beschreibt es Jost. «Wir KMUler bieten Lehrstellen, sind Sponsoren für Vereine. Wir machen so viel, dass es Sinn macht, dies den Leuten auch zu zeigen.» Iseli ergänzt: «Für die Gemeinde ist es wichtig, dass wir zukunftsorientiert sind und die Bedürfnisse der Einwohnerinnen und Einwohner abholen. Ein schöner Platz im Dorfzentrum ist nur ein erster Schritt. Wir müssen uns auch überlegen, was anschliessend dort passiert.» Ideen seien da. «Nach dem Belp-Fest ist vor dem nächsten Fest», sagt er mit einem Augenzwinkern. Der Donschtig-Jass könnte in den nächsten Jahren in Belp Halt machen – idealerweise natürlich auf dem neuen Dorfplatz. Auch im Zusammenhang mit dem geplanten Mehrzweckgebäude mit Parkanlage und Spielplatz, über das Mitte Juni abgestimmt wird, sind Ideen da, fasst er zusammen. Auf ein nächstes Dorffest möchten die beiden nicht mehr so lange warten. «Es sollte weitergehen», bestätigt Jost. «Das Belpfest ist ein Treffpunkt, ein Netzwerk, ein Motor für die lokale Wirtschaft. Und die Belper Bevölkerung ist ein treuer Gast. Die Leute kommen, wenn man etwas macht.»
Der «Papierkrieg» sei immens gewesen. Für die Konzepte und Bewilligungen hat 2017 eine Broschüre gereicht. Dieses Mal sei es ein riesiger Haufen Papier geworden. Heuer wollen sie es so organisieren, dass man das nächste Mal, hoffentlich in wenigen Jahren, darauf aufbauen kann – es ist bestimmt ein gutes Zeichen, wenn die drei Trägerorganisationen KMU / Vereine / Gemeinde schon vor dem Fest bereits an das nächste denken.
Eindrücke des Belpfests samt BEXPO: belpfest.ch/fotos