«Bi üs deheim»

«Bi üs deheim»

Einmal mehr sollen neue Pächter das altehrwürdige Ottenleuebad im neuen Glanz erstrahlen lassen. Doch diesmal ist die Hoffnung und Zuversicht gross, denn die neuen Pächter Franziska und Ron Robberegt sind eng mit der Region verbunden und wissen, was sich die Einheimischen wünschen. Denn nebst den Touristen soll das Ottenleuebad auch ein wichtiger Treffpunkt für die Hiesigen werden.

Die Geschichte des Restaurants Ottenleuebad geht bis in das 18. Jahrhundert zurück. Ursprünglich als Kurhaus erbaut, war es ein beliebter Treffpunkt für die wohlhabende Gesellschaft, die Ruhe und Erholung in der idyllischen Berglandschaft suchte. Während des 19. Jahrhundert erlebte es seine Blütezeit als exklusiver Kurort, der Gäste von weit her anlockte. Mit dem Wandel der Zeit und den gesellschaftlichen Veränderungen begann das Interesse an traditionellen Kurorten zu schwinden. Um weiterhin zu bestehen, musste sich das Ottenleuebad anpassen. In den 1950er Jahren wurde das Gebäude mit dem Anbau des Restaurants erweitert. Seither erlebte der Ort zahlreiche Eröffnungen und Schliessungen. 

Am Puls der Region 

«Das Potential vom Ottenleuebad ist riesig.» Franziska Robberegt steht strahlend im Eingang der Gaststube und sprudelt nur so vor Ideen. Doch bei allem Tatendrang wollen die 58-Jährige und ihr Mann die Tradition des Gasthauses bewahren: «Wir wollen kein «Schickimicki. Uns ist es wichtig die historische Atmosphäre des Ortes zu erhalten.» Als ehemalige Pöstelerin in der Region glaubt sie zu wissen, was sich die Einheimischen wünschen. «Wir setzen auf eine gutbürgerliche Küche und auf ein unkompliziertes, familiäres Ambiente. Wir sind eben ‹bi üs deheim›», fasst Robberegt zusammen.   

Jetzt oder nie

Die Lebenserfahrung, die das Paar für den Betrieb mitbringt, ist vielseitig. Nach dem Bauernlehrjahr arbeitete Franziska viele Jahre im Service und in der Küche. Sie war im Sicherheitsdienst tätig, bekochte und umsorgte als Mutter und Tagesmutter zahlreiche Kinder. Mit 40 Jahren machte sie das Brevet zur Badeaufsicht, gab Schwimmkurse und liess sich zur Samariterlehrerin ausbilden. Zusammen mit ihrem Mann leisteten sie in Plaffeien bei Notfällen als First Responder (Überbrückung bis zum Eintreffen der Ambulanz) erste Hilfe. Als Postbotin im Bezirk Sangerenboden und Gantrisch belieferte sie während den letzten 29 Jahren die Bevölkerung mit der Brief- und Paketpost. Ihr Wunsch, irgendwann mal ein eigenes Restaurant zu führen, liess sie nicht los. «Als ich erfuhr, dass das Ottenleuebad erneut schliesst, dachte ich: Jetzt oder nie». Nach intensiven Gesprächen mit ihrem Mann und mit dem Immobilienbesitzter Hans-Ulrich Müller von der Bernapark AG folgte der Startschuss für den beruflichen Neuanfang. «Ich bin meinem Mann Ron sehr dankbar. Er packt mit an und unterstützt mich, nebst seinem Job als Kurier bei der Medics Labor, wo er kann. Nach seiner Pension im 2025 wird er sich voll und ganz auf das Ottenleuebad als Allrounder fokussieren», verrät die frisch gebackene Pächterin. 

Ein Herz für Menschen und den Ort 

Entgegen der Entwicklung in der Gastrobranche, wo schlechte Bedingungen und Fachkräftemangel in aller Munde sind, schlägt das Herz des Ehepaars Robberegt dennoch für die Gastronomie. «Wir orientieren uns am Positiven und konzentrieren uns auf das, was uns Spass macht, nählich die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Menschen», so die energiegeladene Macherin. Robberegt sieht die schnell fortschreitende Digitalisierung unter anderem als Faktor für die schlechte Stimmung im Gastgewerbe. «Heute leben wir in einer Gesellschaft, in der die Menschen keine Zeit mehr haben. Alles muss schnell gehen. Gleichzeitig sind die Erwartungen riesig. «Alles muss immer perfekt und top Qualität sein. Doch ich frage mich: Wie passt das zusammen? Wir wollen dieser Entwicklung in unserem Gasthaus entgegenwirken und einen Zufluchtsort schaffen.» Die Menschen sollen dort entschleunigen, sich Zeit für gutes Essen und freundlichen Service nehmen und dabei die Natur mit all ihren Sinnen geniessen, mit Achtsamkeit und gegenseitigem Respekt. «An diesem wunderschönen Ort leben und arbeiten zu dürfen, erfüllt uns mit grosser Freude», sagt die bald 8-fache Nani, wie sie von ihren Grosskindern genannt wird. Ihr Blick schweift nach draussen, ruht auf der imposanten Bergkette, die eingebettet zwischen Erde und Himmel liegt, und sie meint abschliessend begeistert: «Hei lueg mau use, was wosch im Läbe no meh aus das?»

 

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INFO:

Bis auf weiteres gelten im Restaurant Otteleuebad folgende Öffnungszeiten: Fr und Sa, 9 – 22 Uhr, So bis Mi, 9 – 17 Uhr. Hotelbetrieb: Die Zimmer wurden durch die Bernapark AG komplett saniert und können über die Online-Plattform www.airbnb.ch reserviert werden.

Das Pächterpaar will im Ottenleuebad eine Erste-Hilfe-Station einrichten und sucht noch nach Sponsoren, um die Anschaffung eines Defibrillators zu finanzieren.

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