«Die Werte, die wir vermittelt möchten, orientieren sich stark an den Prinzipien der Bedürfnisorientierung und der Ressourcenförderung. Jedes Kind soll dort abgeholt werden, wo es sich gerade in seiner Entwicklung befindet», sagt Pädagogin Olivia Hübscher. Mit einer kleinen und familiären Struktur, die Platz für 20 bis 30 Kinder vom Kindergarten bis zur 2. Klasse bietet, soll ein Ort entstehen, an dem Kinder sich frei entfalten können. Auch die Inklusion spielt eine wichtige Rolle: Neurodiverse Kinder, zum Beispiel mit ADHS, erhalten genauso Unterstützung wie neurotypische.
Freiräume und Lernkontext
Ein Schultag beginnt mit einer flexiblen Ankommenszeit von 30 Minuten. So können die Kinder in ihrem eigenen Tempo ankommen – ohne Druck und Stress für sie und auch für ihre Eltern. Ein gemeinsames Ritual eröffnet den Tag und gibt Halt. Danach folgt individuelles Arbeiten. «Die Kinder dürfen ihren Interessen folgen und ihrem Bewegungsdrang nachgehen – natürlich immer im Einklang mit den Bedürfnissen der Gruppe», so Hübscher. Die Bewegung draussen in der Natur ist ein integraler Bestandteil des Lernens. «Die Kinder können ihre Energie in Freiräumen ausleben und gleichzeitig ihre Neugier in einem angeleiteten Lernkontext weiterentwickeln.» Dies heisse jedoch nicht, dass es keine Regeln und Ziele gibt, betont Co-Präsidentin Manuela Huber und erklärt: «Wir orientieren uns am Lehrplan 21, interpretieren ihn jedoch auf eine Weise, die unserem ganzheitlichen Ansatz entspricht.»
Im Einklang mit der Natur
Nicht nur das pädagogische Konzept folgt einer naturnahen Philosophie. Der Neubau wird mehrheitlich aus «Mondholz» errichtet. Mauritz Boschung, Bauherr des Projektes und gelernter Zimmermann, erklärt: «Unter ‹Mondholz› versteht man Holz von Bäumen, die an den kurzen Tagen, von Mitte November bis Mitte Februar, gefällt werden. Das Holz hat zu diesem Zeitpunkt keine Nährstoffe für Schädlinge. Dadurch ist es besonders widerstandsfähig und es sind keine Chemikalien notwendig.» Das Holz für die Bergahorn-Schule hat Boschung in der Region Schwarzsee auf einer Höhe von 1500 Metern geschlagen. Boschung ist überzeugt: «Natürliche Baumaterialien schaffen eine warme, wohnliche Atmosphäre, die nicht nur optisch ansprechend ist, sondern auch das Wohlbefinden der Kinder fördert. Die geistige und körperliche Gesundheit der Kinder ist uns ein wichtiges Anliegen.»
Eine Schule für alle
Die Bergahorn-Schule ist in der Aufbauphase. Doch die Resonanz aus der Umgebung ist bereits positiv. «Wir stehen im regelmässigen Kontakt mit der öffentlichen Schule und erleben eine Offenheit für unser Projekt. Das ist sehr erfreulich, denn es geht nicht um Konkurrenz. Wir sehen uns als Ergänzung und wollen Brücken schlagen zwischen den verschiedenen Bildungswelten», erklärt Hübscher. Ihre Kollegin Huber nickt zustimmend und ergänzt: «Für uns ist es eine Herzensangelegenheit, den Familien, die nach anderen Wegen suchen, eine Alternative zu ermöglichen.» Ein Knackpunkt ist die Finanzierung. Da die Schule nicht vom Kanton unterstützt wird, müssen die Eltern selbst für die Kosten aufkommen. Das bereitet den Initiantinnen noch etwas Sorgen. «Unsere Vision war von Anfang an klar: Die Schule soll für alle Kinder offen sein, unabhängig vom Einkommen der Eltern.» Dennoch blicken sie zuversichtlich in die Zukunft, so Hübscher: «Es gilt nun, die nächsten Schritte zu gehen. Finanzierungsmodelle zu entwickeln, den Bau voranzutreiben und den Dialog mit der Bevölkerung zu suchen. Wir glauben fest daran, dass eine Schule mit den Kindern wachsen muss – flexibel, lebendig und mit Freude am Lernen – auf allen Seiten.» Dabei spielt die Zusammenarbeit mit den Kindern und den Eltern eine zen-trale Rolle, denn der Weg zur erfolgreichen Schulentwicklung geht nur gemeinsam.
Info:
Am 25. März findet ein öffentlicher Filmabend der Schule Bergahorn mit anschliessendem Austausch statt. Die Eröffnung der Schule ist für 2026/2027 vorgesehen.