«Muesses zersch Toti gäh?»: Diese Frage wird oft gestellt, wenn Verkehrsregelungen gefährlich und Massnahmen ungenügend sind.
Handlungsbedarf vs. Ratlosigkeit
Solche Situationen sind in der Gantrischregion ab und zu anzutreffen. Eine davon ist die Abzweigung auf der Staatsstrasse Uttigen/Kirchdorf – Kiesen vor der Aarebrücke: Die Strasse verläuft hier in einer recht weiten Kurve, lässt jedoch keine Einspurstrecke in der üblichen Breite zu. Wer nach «Jaberg Dorf» abzweigen will, sorgt nicht selten für Stau – und riskiert zudem eine Auffahrkollision durch nachfolgende Fahrzeuge.
Während für Sicherheitsexpertinnen der Fall klar ist, scheinen Verkehrsexperten oft unsicher bis ratlos zu sein. Was ist «politisch korrekt», wenn eine Situation im Lehrbuch nicht vorkommt?
Mehr Raum für mutige Lösungen
Im Fall von Jaberg wurde schliesslich eine doppelt gestrichelte Linie angebracht. Diese darf von beiden Seiten überfahren werden und bietet daher nicht wirklich Schutz. Wer nach links abbiegen will, will Fahrzeugen auf der Gegenseite nicht zu nahe kommen (die eventuell die Kurve schneiden), könnte aber von hinten gerammt werden. Eine simple Temporeduktion oder die Signalisation «Achtung, Ausfahrt!» schienen bisher für den Kanton keine Option zu sein.
Dass es anders geht, zeigen Belp, Münsingen oder Thun: Farbige Markierungen visualisieren, dass sich etwas geändert hat. Tempo drosseln wird selbstverständlich.
Nochmals zu Jaberg: Die meisten Zufahrtsstrassen sind mit «Zubringerdienst gestattet» signalisiert. Wer hinfährt, bringt am besten einen Gast mit… Und darf vielleicht hoffen, sicher anzukommen.
«Safety first» sollte überall gelten. Wo die Sicherheit Einzelner nicht gewährleistet ist, können schnell auch andere gefährdet sein.