Vom Militärbett zum Chalet

Vom Militärbett zum Chalet

Wo einst Militärangehörige untergebracht waren, ziehen heute Feriengäste ein. Nach rund zwei Jahren Umbau hat das Berghaus Gurnigel am 1. August wieder seine Türen geöffnet. Entstanden ist ein modernes Berghaus mit 27 Wohneinheiten, Restaurant, Sauna, Seminarzentrum – und mit erstaunlich viel Gstaad im Gepäck.

Wer beim Stichwort ehemalige Militärunterkunft an karge Zimmer, praktische Einrichtung und eher überschaubaren Wellnessfaktor denkt, dürfte im neuen Berghaus Gurnigel überrascht sein. Der Bernapark hat das traditionsreiche Haus im Naturpark Gantrisch während rund zwei Jahren umfassend saniert. Statt Kasernencharme gibt es nun alpinen Chaletstil, zwei Saunas und einen Fitnessbereich.

Dabei hat Eigentümer Hans-Ulrich Müller mit seinem Team nicht einfach alles Alte entsorgt und durch Neues ersetzt. Ein beträchtlicher Teil der Einrichtung hat bereits ein erstes Hotelleben hinter sich – und zwar einige Kilometer weiter südlich. Für den Innenausbau hat das Team Materialien und Einrichtungsgegenstände aus dem ehemaligen und noblen Park-Hotel in Gstaad wiederverwendet. Möbel, Türen, Täfer, Matratzen, Duschwände und sogar WC-Schüsseln fanden auf dem Gurnigel eine neue Heimat. Was in Gstaad ausgedient hat, bekommt damit im Gantrischgebiet eine zweite Karriere. Nachhaltigkeit kann eben auch bedeuten, dass selbst eine WC-Schüssel nochmals ganz von vorne anfangen darf.

66 Betten und Aussicht auf die Voralpen

Das erneuerte Berghaus verfügt über 27 Wohneinheiten und insgesamt 66 Betten. Das Angebot reicht vom Studio über Lofts bis zu Ferienwohnungen mit bis zu drei Zimmern. Alle Einheiten verfügen über Küche und Bad, viele zusätzlich über einen Balkon. Die Aussicht reicht über die Voralpen und teilweise bis zum Thunersee.

Der Hotelbetrieb läuft bereits seit dem 20. August. Ein Self-Check-in-System (wie im Otttenleuenbad) ermöglicht den Gästen eine flexible Anreise. Das passt zum Konzept des Hauses: unkompliziert soll es sein und sowohl Erholungssuchende als auch sportliche Gäste ansprechen. Im Sommer stehen insbesondere Wanderer sowie Bikerinnen und Biker im Fokus, im Winter Skifahrende sowie Langläuferinnen und Langläufer.

Wer nach all der Bewegung lieber gar nichts mehr tut, ist ebenfalls willkommen. Zwei Saunas und ein Fitnessbereich gehören zur neuen Infrastruktur – wobei die Reihenfolge ihrer Benutzung selbstverständlich jedem Gast selbst überlassen bleibt.

Residieren und konsumieren

Auch kulinarisch beginnt ein neues Kapitel. Das Restaurant im Erdgeschoss bietet 60 Plätze in der Gaststube und weitere 60 auf der Terrasse. Geführt wird es von Mihály und Sára Högye. Das Gastgeberpaar setzt auf eine frische, regionale und saisonale Küche, die bodenständige Gerichte mit raffinierteren Ideen verbinden will. Neben Tages- und Hotelgästen richtet sich das Angebot auch an Hochzeiten, Familienfeiern und Bankette.

Nicht nur Ferien, sondern auch Sitzungen

Denn das neue Berghaus will mehr sein als Ausgangspunkt für Wanderungen und Velotouren. Ein Seminarzentrum, das sich in drei Räume unterteilen lässt, sowie ein Open-Space-Bereich sollen Firmen und Veranstalter auf den Gurnigel locken. Damit lässt sich künftig dort tagen, wo andere Ferien machen – inklusive Bergpanorama statt Sitzungszimmer mit Blick auf den Firmenparkplatz.

Für Sportgäste sind zudem Räume für Ski- und Velovermietung sowie ein Bereich vorgesehen, in dem kleinere Servicearbeiten selbst vorgenommen werden können. Rund 40 Parkplätze stehen in einem neuen, zweigeschossigen Parkdeck zur Verfügung.

Es ist nicht der erste, umfassende Umbau, den die Bernapark AG, welche die ehemalige Militärunterkunft 2018 gekauft hat, beendet. Aber es ist vielleicht die bisher grösste. Das Berghaus ist Teil eines grösseren Vorhabens: Gemeinsam mit dem Ottenleuebad und dem Gurnigelbad werden die Standorte unter der Dachmarke «Gantrisch Lodge» zusammengeführt. Ziel ist es, das Gantrischgebiet stärker als Ganzjahresdestination zu positionieren. Mit der Wiedereröffnung erhält der Gurnigel damit nicht einfach ein renoviertes Hotel zurück. Aus der ehemaligen Militärunterkunft ist ein Haus für Feriengäste, Sporttreibende, Firmen und Festgesellschaften gewachsen. Nur eines dürfte sich trotz aller Veränderungen kaum geändert haben: Nach einem langen Tag an der frischen Gurnigelluft schläft es sich ziemlich gut – egal, ob in einem neuen oder in einem fachmännisch aufbereiteten Bett.

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