20-mal wurde in den vergangenen drei Monaten über den Naturpark Gantrisch abgestimmt. Wollen die Gemeinden Mitglied des Parks bleiben? Die Antwort war flächendeckend eindeutig: Über 90% der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sprachen sich für eine weitere Zugehörigkeit aus; in der Mehrheit der Gemeinden waren es sogar über 95%.
Der Naturpark Gantrisch kann nun beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) das Gesuch für eine Bewilligung für weitere zehn Jahre mit dem Label «Regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung» einreichen.
Zu viele Touristen?
Im Gegensatz zu einer Urnenabstimmung können an Gemeindeversammlungen Fragen gestellt und Einwände vorgebracht werden. Diese Möglichkeit wurde immer wieder genutzt, teilweise auch im Vorfeld auf dem schriftlichen Weg.
Ein häufiges Thema waren die vielen parkierten Autos auf den Panzerplattformen diesen Sommer. «Wird nicht zu viel Werbung für den Naturpark gemacht?», war etwa eine Frage in Riggisberg. Auch in Burgistein wurde nachgehakt, ob so viele Besucherinnen und Besucher noch wünschenswert seien. Christoph Kauz, Geschäftsführer des Naturparks Gantrisch, war in den Sommermonaten öfters in den meistbesuchten Gegenden des Parks und führte Gespräche mit betroffenen Alpbesitzern oder -bewirtschaftern.
Man könne davon ausgehen, dass der überdurchschnittlich grosse Ansturm auf Gurnigel, Gantrischsee, Sense und Co. mit der Corona-Pandemie zu tun hatte, so Kauz. Trotzdem reagierte der Naturpark rasch und schickte einen Ranger an die Sense. Dieser sprach Ausflügler an und trug so etwa dazu bei, dass weniger Abfall liegengelassen wurde.
Wem dient der Park?
Ein Kaufdorfer Bürger wollte wissen, wie das Auswahlverfahren abläuft, um auf Alpen Einsätze zu leisten. Diese Hilfseinsätze werden mithilfe einer Plattform vergeben, zu der alle Älplerinnen und Älpler eingeladen sind und ihre Bedürfnisse anmelden können. In mehreren Gemeinden kam die Frage auf, ob Geld vom Naturpark an die GantrischPlus AG fliesst und wie unabhängig die beiden Organisationen voneinander sind. Vertreterinnen und Vertreter des Naturparks waren präsent und nahmen sich Zeit für Erklärungen und Antworten. So wurde gerade beim letzten Punkt rasch klar: Obwohl der Naturpark und die GantrischPlus AG viele sich überlappende Ziele haben, funktionieren sie komplett getrennt und es fliesst kein Geld hin und her.
Anerkennung für geleistete Arbeit
Auch Dank wurde den Naturparkleuten entgegengebracht. Nach einer Präsentation in Wattenwil wurden sie gar mit einem Applaus verabschiedet. Noch vor vier bis fünf Jahren war manchmal der Vorwurf zu hören, der Naturpark bemühe sich zu wenig um Touristen. Dass er nun zu den bekanntesten Naturpärken der Schweiz gehört und dass die Parkplätze diesen Sommer regelmässig ausgelastet waren, zeigt, dass hier viel geleistet wurde und dass die Besucherlenkung für einen achtsamen Genuss in der Natur sorgt.
An der Mitgliederversammlung des Fördervereins Region Gantrisch, dem Träger des Naturparks, wurden die positiven Abstimmungsresultate mit Freude zur Kenntnis genommen. Das Gesuch für die nächste Betriebsphase kann nun eingereicht werden und die Ziele der nächsten zehn Jahre können in Angriff genommen werden.