Ein Ort für ein zweites Leben

Ein Ort für ein zweites Leben

In Toffen gibt es seit Dezember 2025 einen ganz speziellen Laden: die Selbstbedienungsbrocki «Schatzkiste». Täglich von 8 bis 20 Uhr ist die Türe offen und lädt zum Verweilen und Stöbern ein. Das Besondere daran: Sie funktioniert ganz ohne anwesende Angestellte.

Angefangen hatte alles mit einem Tisch zu Weihnachten vor dem Büro. Bei den Räumungen, die Zuzana und Niklaus Schöchlin mit ihrer Firma «Immo-Erben» durchführen, fanden sie immer wieder Gegenstände, welche zu schön waren, um sie einfach fortzuschmeissen. Also probierten sie eine neue Idee aus und stellten einen Tisch mit Weihnachtsschmuck und anderen zur Jahreszeit passenden Gegenständen vor ihrem Büro auf. Der Tisch war schnell leer und Schöchlins begannen, regelmässig kleine Schätze auszustellen. Sie gaben der Aussenecke den Namen «Wiederverwendbar».

Je besser diese «Wiederverwendbar»-Ecke lief, umso mehr begannen Schöchlins, sich nach einem Ort zu sehnen, an dem sie mehr von ihren Schätzen ausstellen konnten und diese vor dem Regen, Blütenstaub oder der Kälte geschützt sind. Letztes Jahr zügelte eine Innenarchitektin im Ort ihren Standort – die perfekte Gelegenheit für Schöchlins, welche die Liegenschaft an der Belpbergstrasse 6 übernehmen konnten und darin ihre Brocki eröffneten.

Nachhaltige Haushaltsauflösungen

Es kommt nicht von ungefähr, dass gerade Schöchlins die Idee mit der Selbstbedienungsbrocki kam. «Als mein Grossvater ins Altersheim musste und wir das Haus räumten, begann ich erstmals, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen», erzählt Niklaus Schöchlin, und meint damit das Thema Nachhaltigkeit bei einer Räumung. Fragen kamen auf wie: «Was macht man eigentlich mit all den Sachen, die nach einem Umzug oder dem Ableben des Besitzers oder der Besitzerin in einem Haus oder einer Wohnung hinterbleiben? Und was macht man mit der Immobilie?» Aus diesem Erlebnis entstand nach und nach das Konzept für die Firma und die Brockenstube. Mittlerweile ist die Firma spezialisiert auf Immobilienverkäufe und familieninterne Lösungen. Dabei packen sie bei einer Hausratsauflösung auch selbst mit an und arbeiten, wenn nötig, mit anderen Spezialisten und Stiftungen zusammen. In der Region sind sie damit mit diesem Konzept einzigartig.

Mit Respekt und Sorgfalt

«Man sieht immer auch in ein Leben hinein, wenn man eine Wohnung räumt», so Schöchlin. Aus Respekt vor diesem Leben ist es den Schöchlins denn auch wichtig, mit Sorgfalt an die Auflösung eines Haushalts heranzugehen. Dazu gehört auch, dass sie probieren, möglichst vielen Sachen ein zweites Leben zu ermöglichen. Grössere Gegenstände werden somit online verkauft, die kleineren Schätze kommen in die Brocki und für ganz wertvolle Objekte arbeiten sie auch mal mit einem Auktionshaus zusammen. Für sie ist diese Mischung ein Gewinn: Leute, die etwas über Ricardo ersteigern, holen es in der Brocki ab und finden dort vielleicht noch einen weiteren Schatz. Und Besuchende entdecken, dass es online noch mehr zum Stöbern gibt.

Ein tägliches Ausprobieren

Was sich noch verkaufen lässt, ist aber immer wieder ein Herausfinden. Ihr Konzept ist einzigartig und bis jetzt gibt es nicht wirklich eine Aus- oder Weiterbildung für diese Art von Inventarveräussern. Für Schöchlins ist dies aber kein Problem, im Gegenteil. Wenn man ihnen zuhört, dann nimmt man eine gewisse Begeisterung für das Ausprobieren wahr. Optimal ist es für sie natürlich, wenn sich mehrere Leute für einen Artikel interessieren und so ein guter Preis erzielt werden kann. Es hat aber auch Vorteile, wenn jemand ein «Schnäppli» macht: Dieser Kunde wird vielleicht noch mehr kaufen und hat Freude am Artikel. «Wir hatten schon Kunden, die extra von Zürich oder Graubünden zu uns gereist sind, um ihre online ersteigerte Ware abzuholen», erzählt Zuzana Schöchlin, auch ein bisschen mit Erstaunen in der Stimme.

Bewusst trödeln

Die Motivation für die Brocki ist aber nicht in erster Linie, damit eine weitere Geldquelle zu schaffen, sondern etwas zur Nachhaltigkeit beizutragen. So lautet das Motto: «bewusst trödeln». «Wir wünschen uns, dass es immer mehr umweltbewusste Menschen gibt», so Zuzana Schöchlin. Mit der Brocki möchten sie denn auch zu diesem Thema beitragen und zu einem bewussten Umgang mit Ressourcen inspirieren.

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