Neophyten waren für mich lange kein grosses Thema. Das änderte sich während meines Zivildiensteinsatzes im Juni 2026. Gemeinsam mit einem kleinen Team entfernten wir im Sensegebiet rund um Plaffeien invasive Pflanzen. Die Einsätze werden vom Verein Umwelt + Natur koordiniert und unter anderem vom Naturpark Gantrisch unterstützt.
Plötzlich bestimmten Neophyten meinen Alltag. Unsere Aufgabe war einfach: Pflanzen erkennen und mitsamt Wurzeln entfernen. Je nach Bodenbeschaffenheit und Grösse der Pflanze konnte das allerdings zu echter Knochenarbeit werden. Pickel und gutes Schuhwerk waren im steinigen Gelände entlang der Sense unverzichtbar. Die Glücksgefühle, die man hatte, wenn nach zwanzig Minuten Pickeln, Graben und Reissen ein drei Meter hoher Sommerflieder endlich samt Wurzeln aus dem Boden kam, waren jeden Tropfen Schweiss wert. Auch das Wetter zeigte sich mit Platzregen und Hitzewellen von allen Seiten. Trotzdem genoss ich die Zeit draussen sehr. Für mich, der sonst Social-Media-Videos im Büro schneidet, war die körperliche Arbeit eine willkommene Abwechslung. Die Arbeit hatte etwas Meditatives: Mal war ich in Gedanken versunken, mal hörte ich einen Podcast oder führte gute Gespräche mit dem Team. Besonders in Erinnerung bleiben mir die Picknick-Mittagspausen direkt am Fluss – an heissen Tagen inklusive Sprung ins kühle Nass.
Im Sensegebiet stellen vor allem Sommerflieder und Riesenbärenklau ein Problem für die heimische Flora und Fauna dar. Der Sommerflieder blüht zwar wunderschön, bietet einheimischen Insekten aber kaum Nahrung. Der Riesenbärenklau ist zusätzlich für Badegäste gefährlich, weil sein Pflanzensaft in Kombination mit Sonnenlicht Verbrennungen auf der Haut verursachen kann.
Dieser Einsatz ist ideal für alle, die gerne draussen arbeiten und körperliche Herausforderungen mögen. Für mich war er die perfekte Abwechslung zum Büroalltag und eine Erfahrung, die ich jederzeit wieder machen würde.
Olivier Bienz