Der Begriff Lichtverschmutzung scheint im ersten Moment irreführend. Licht ist an sich nichts Schlechtes. Erst wenn es zur falschen Zeit, am falschen Ort oder in zu grosser Menge auftritt, wird es zu einer Form von «Schmutz». Man spricht auch von Lichtsmog oder von übermässigen Lichtemissionen. Unabhängig von der Bezeichnung geht es um ein Umweltproblem, das die Klima-, Energie- und Biodiversitätskrise massiv verstärken kann. Es lässt sich aber deutlich einfacher vermindern (mehr dazu auf Seite 26). Davon profitieren alle Arten. Jegliches Leben ist nämlich an die natürliche Abfolge von Licht und Dunkelheit angepasst – und genau diese wird durch Lichtverschmutzung zunehmend verändert.
Die natürlich dunkle Nacht ist Lebensraum für dämmerungs- und nachtaktive Säugetiere wie Igel, Reh, Fuchs, Dachs, Siebenschläfer, Haselmaus, Wiesel, Luchs, Fledermaus und viele mehr. Sie alle haben sich im Laufe der Evolution perfekt an die natürliche Nacht angepasst: Uhus hören dreidimensional, Fledermäuse orientieren sich mit Echoortung und Nachtfalter bestäuben Blüten mit UV-Sicht und finden ihre Artgenossinnen anhand von Düften. Sie alle finden so auch in stockfinsterer Nacht sicher ihren Weg.
Künstliches Licht stört diese hochentwickelten Anpassungen und verändert das Verhalten vieler nachtaktiver Tiere: Sie werden vom Licht angezogen oder weichen ihm unter Inkaufnahme grosser Umwege und eines hohen Energieverlusts aus. Lichtverschmutzung beeinträchtigt ihre Orientierung, ihre Partnersuche, die Grösse ihres Reviers und die Futtersuche. Was für uns nur eine zusätzliche Lichtquelle in der Nacht ist, kann für Tiere eine entscheidende Veränderung ihres Lebensraums bedeuten.