Sie liebt die schnellen Pisten

Sie liebt die schnellen Pisten

Die 21-jährige Sue Piller gilt als eine der grössten Hoffnungen bei Swiss Ski. Durch die guten Resultate im Europacup der letzten Saison und die guten Trainingsresultate in der Saisonvorbereitung hat sie sich für die Weltcup-Rennen dieser Saison aufgedrängt. Mit dem 6. Rang in Spindlermühle (Tsch) hat sie die Selektions­kriterien für die Teilnahme am Riesenslalom der Olympischen Winterspiele in Cortina d’Ampezzo erfüllt.

«Für mich kam das Aufgebot für Olympia relativ überraschend. Am Anfang der Saison hätte ich nie gedacht, dass dies möglich wäre. Deshalb war es auch schwierig, mich darauf einzustellen. Ich wusste: Wenn alles perfekt aufgeht und ich die kleinen Fehler, die sich noch einschleichen, ausmerzen kann, ist mit einer fehlerfreien Fahrt eine Top-Platzierung möglich. Doch ich hatte Rückenprobleme, erhielt am Tag vor dem Rennen noch einen Schlag auf das Knie und fuhr mit Schmerzen. Mental war es deshalb nicht leicht, doch im Rückblick muss ich sagen, dass noch mehr als Rang 24 möglich gewesen wäre.» Dass sie überhaupt in Cortina starten durfte, verdankte sie ihrem bisher besten Weltcup-Resultat. Im tschechischen Spindlermühle, als sie am 24. Januar in ihrer Spezialdisziplin auf Rang 6 fuhr, verbesserte sie ihr zuvor bestes Weltcup-Ergebnis klar. Die Selektion erfolgte deshalb auch relativ spät. «Ich wusste schon vor diesem Rennen, dass ich noch schneller fahren kann, denn mit den Plätzen um Rang 20 war ich nicht zufrieden, weil mir immer kleine Fehler passierten. Spindlermühle war der Ausreisser nach oben – in Zukunft sollen solche Ergebnisse nicht mehr Ausreisser, sondern die Regel sein.»

Beginn am Schwarzsee

Geboren im Sensebezirk, im 4000-Seelen-Ort Plaffeien, machte die Seislerin ihre ersten Versuche auf Ski auf den Pisten im nahen Schwarzsee. «Ich war damals zweieinhalb Jahre alt und folgte meinem zwei Jahre älteren Bruder Dean. Weil auch meine Eltern passionierte Skifahrer waren, standen wir oft auf den Skiern. Nach dem Besuch der Rennschule Schwarzsee begann ich als Sechsjährige, Rennen zu fahren, hatte grossen Spass und war immer sehr ehrgeizig», so Sue Piller, die ihren Spitznamen Sushi auch ihrer Vorliebe für die japanische Speise Sushi verdankt. Bald einmal war sie als Mitglied des Skiklubs Schwarzsee im Kader von Schneesport Mittelland, «weil die deutschsprachigen Freiburger Skiclubs diesem Verband angeschlossen sind». Die langen Anfahrtsreisen zu den Trainings ins Berner Oberland erwiesen sich immer mehr als mühsam, so dass sie sich entschloss, ihre Zelte im Saanenland aufzuschlagen. Piller trat dem Skiclub Schönried bei und profitierte im regionalen Leistungszentrum Gstaad von der guten Ausbildung unter ihrem Stiefvater Fred Labaune, welcher das regionale Leistungszentrum Gstaad seit zwölf Jahren als Cheftrainer führt. «Ich absolviere heute vor allem das Konditionstraining unter seiner Regie und mache das sehr gerne. Er ist eine wichtige Bezugsperson und er ist das Mastermind hinter meiner Karriere», sagt Sue Piller.

Verletzungen als Bremse

Auf dem steilen Aufstieg wurde Sue Piller bisher nur von Verletzungen gebremst. Nachdem sie als 16-Jährige ins nationale Leistungszentrum von Swiss Ski aufgenommen worden war, wurde sie durch eine schwere Knieverletzung mit einem Kreuzbandriss und einem Meniskusschaden vorübergehend gestoppt. Nach sieben Monaten Rehabilitation verbunden mit einem harten Krafttraining fand sie sogleich wieder zu alter Stärke zurück und wurde ins C-Kader von Swiss Ski aufgenommen. 2023 gab sie ihren Einstand im Europacup, nur ein Jahr später folgte die Selektion in den B-Kader und in Sestriere bestritt sie ihre beiden ersten Weltcup-Rennen im Februar 2025. 

Auf der Kawasaki über den
Col du Pillon

Ob im Winter auf den Riesenslalom-Pisten oder im für Skirennfahrerinnen kurzen Sommer auf der «Piste» zwischen Aigle über den Col du Pillon Richtung Simmental – Sue Piller liebt, wenn es schnell geht. Ihre knapp bemessene Freizeit nutzt sie oft, um auf ihrer Kawasaki Ninja 650 über den Col du Pillon zu fahren. «Ich denke, dass mir das auch für den Skirennsport zugutekommt und ein zusätzliches Training ist. Früher war ich oft zu früh in den Toren, auf dem Töff habe ich gelernt, Geduld zu üben und die Kurven nicht zu schnell und hastig anzufahren.»

Nur zwei Monate Pause

Die Zeit, um ihrem Hobby zu frönen, ist kurz. Einzig in den Monaten Mai und Juni stehen keine Skitrainings auf dem Programm. Wenn sie zwischendurch den Töff in der Garage stehen lässt, spielt die ehemalige Leichtathletin gerne Tennis oder Beach-Volleyball. Doch hier ist sie weniger ehrgeizig als auf den Pisten, auch wenn Siege mit dem Racket gegen Kolleginnen und Kollegen ebenfalls Spass machen. «Nein, an den Tennis EFG Swiss Open und am Elite-16-Beach-Pro-Turnier der Volleyballerinnen und Volleyballer, den beiden grossen Turnieren in Gstaad, bin ich nicht dabei, so gut bin ich in diesen Sportarten nicht», sagt Sue Piller. Gut so, denn im nächsten Winter freuen sich die Schweizer Skifans auf Glanzresultate der hochtalentierten Seislerin, die in Zukunft auch im Slalom angreifen will.

 

 

Sue Piller – Zur Person

Geboren am 4. Mai 2005. Aufgewachsen in Plaffeien FR, lebt heute in Gsteig bei Gstaad BE. Mitglied im SK SC Schwarzsee und im SC Schönried. Seit 2024 Mitglied des B-Kaders von Swiss Ski. 2025  Siegerin im Slalom und Riesenslalom an der Universiade (Winter World University Games) in Bardonecchia (Italien). Platz 6 am Weltcup-Riesenslalom in Spindlermühle (Tschechien). Platz 24 im Riesenslalom an den Olympischen Winterspielen 2024 in Cortina d’Ampezzo.

Das Lob von Trainer Heini Pfitscher

Der Südtiroler Heini Pfitscher ist seit zwei Jahren Trainer der Schweizer Riesenslalom-Frauen im Weltcup. Zuvor trainierte er während vier Jahren das im Europacup aktive Team. Er ist über die in dieser Saison kometenhaft aufgestiegene Sue Piller des Lobes voll. «Sie weiss, was sie will, und wenn sie so weiterfährt, kann sie einiges erreichen. Sie hat ein gesundes Selbstvertrauen und will nicht nur im Weltcup mitfahren, sondern sie will vorne mitfahren. Geht ihre Entwicklung in gleichem Stil weiter, ist dies durchaus möglich.» Verbesserungsmöglichkeiten sieht Pitscher vor allem noch auf schnellen Pisten, doch auch hier traut er ihr einiges zu. Pitscher erwähnt zudem, «dass Sue im Team voll integriert und auch bei den erfahrenen Fahrerinnen sehr beliebt ist.»

Die Seisler dürfen sich freuen. Gut möglich, dass die nächste Lise-Marie Morerod, Erika Hess, Vreni Schneider oder Wendy Holdener aus Plaffeien kommt.

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