Die Idee einer eigenen Firma kam Niklaus Schöchlin schon vor Jahren. Damals, als einer seiner Grossväter in ein Altersheim ziehen musste, wurde ihm bewusst, wie schnell sich die Lebenssituation älterer Menschen verändern kann. Er stellte fest, dass es an ganzheitlicher Beratung für die Betroffenen und ihr familiäres Umfeld mangelt; insbesondere in jener Lebensphase, bevor der Eintritt in das Altersheim bevorsteht. «Es gibt zwar viele Fachleute aus verschiedensten Bereichen, aber eben auch viele Anlaufstellen. Jedoch nur wenige, die eine umfassende Beratung anbieten», sagt der Gründer und Inhaber der IMMO-ERBEN GmbH, der lieber von Coaching spricht als von Beratung. «Wir wollen die Leute unterstützen und mit ihnen konkrete Lösungen umsetzen.» So soll es auch sein beim Projekt der Alterswohnungen. Dank den Kompetenzen, die die Firma als Partnerin für Erbschafts- und Immobilienlösungen seit ihrer Gründung vor 10 Jahren erworben hat. Nebst der damaligen Situation um seinen Grossvater war es schliesslich das Studium als Betriebsökonom, das Niklaus Schöchlin zur beruflichen Selbständigkeit veranlasste: «Mit dieser Ausbildung wird man nicht zu einer Fachperson auf einem bestimmten Gebiet, dafür entsteht ein Blick auf das, was miteinander zusammenhängt und koordiniert werden kann.» Aus der Vision des Firmengründers – die Unterstützung von Personen, die in ihrem Umfeld einen Todesfall erleiden mussten – entstand eine Firma mit vier Mitarbeitenden, die auf mehreren Geschäftsfeldern aktiv ist.
Unterstützung durch die Gemeinde
Die Kernkompetenzen sind Angelegenheiten im Zusammenhang mit Erbrecht und Immobilien, Mobiliar, individueller Vorsorge- und Nachlassplanung. Zusammen mit dem Grundsatz, der Kundschaft Lösungen zu bieten, statt Vorgaben zu machen, seien das gute Voraussetzungen für das bevorstehende Bauprojekt, schaut Niklaus Schöchlin in die nahe Zukunft. «Nach den Machbarkeitsstudien und der Entwicklung des Vorprojektes warten wir jetzt noch auf die Rückmeldung des zuständigen Amtes. Im Sommer erfolgt hoffentlich die Baueingabe, danach müssen allfällige Einsprachen abgewartet werden.» Einen Baubeginn Ende dieses Jahres erachtet er als realistisch. An den Unternehmer wurden bisher keine Nachteile herangetragen, dafür sieht er Mehrwerte für die Dorfbevölkerung, auch weil die Arztpraxis vom Dorf in die beiden Gebäude integriert sein wird. Das Projekt sieht ausserdem vor, dass sehr zentral, jedoch weg vom Strassenraum gebaut wird; auch die Interessen des Landwirtes vom angrenzenden Grundstück wurden berücksichtigt. «Wir werden auf die Leute im Dorf zugehen und ihnen das Projekt vorstellen. Besonders erfreulich ist, dass uns die Gemeinde den Rücken stärkt und das Projekt unterstützt.»
Im gewohnten Lebensraum
Die rund 18 Wohnungen werden gebaut für Haushalte von ein bis zwei Personen. Die Häuser werden eingebettet im Dorf stehen, sagt Niklaus Schöchlin und weist auf weitere Vorzüge des Projektes hin, beispielsweise die unmittelbare Nähe zum Bahnhof und zu Einkaufsmöglichkeiten. Auch das Bildungs- und Kulturzentrum ist zu Fuss gut erreichbar, ebenso die Kirche. Zudem wird in flacher Landschaft gebaut. «Die Umgebung ist dadurch velotauglich, mit dem Fahrrad gelangt man ohne Steigung nach Belp oder Kaufdorf. Menschen, die ländlich wohnen, sind sich oft gewohnt, mit dem Auto unterwegs zu sein. Wir gehen davon aus, dass es Bewohnende geben wird, die auf ein Auto verzichten.» Seit Beginn der Planung laufen alle Bestrebungen darauf hinaus, dass die künftigen Bewohnenden ihren gewohnten Lebensraum nicht verlassen müssen und möglichst lange ein selbständiges Leben führen können. Selbständig bedeutet in diesem Fall das eigenständige Führen eines Haushaltes, Pflegedienstleistungen oder andere Bedürfnisse werden bedarfsweise von aussen in Anspruch genommen. Dass dies reibungslos möglich sein wird, dafür sorgt die Bauweise der Wohnungen, versichert Niklaus Schöchlin, praktisch seien sie ausgelegt, rollstuhlgängig sowieso und die Pflegepersonen werden ungehindert ihre Arbeit ausüben können. Ein allfälliger Schritt in ein Altersheim soll erst dann erfolgen, wenn ein Mensch permanente Pflege beanspruchen muss. Den Bezug einer altersgerechten Wohnung empfiehlt der Fachmann schon frühzeitig: «Ich stelle fest, dass bei vielen älteren Leuten Belastungen entstehen, die früher Bereicherungen waren. Sogar ein schöner Umschwung kann zur Belastung werden.»
Begegnungen oder Rückzug
Auch wenn es sich beim Projekt nicht um betreutes Wohnen handelt, sieht Niklaus Schöchlin durch die integrierte Praxis eines Hausarztes einen wichtigen Beitrag zum Sicherheitsbedürfnis der Bewohnenden. Zudem soll die Bauweise die Voraussetzung für Begegnungen schaffen. «Das wollen wir mit dem Konzept nicht vorgeben, aber ermöglichen. Unser Grundsatz dazu lautet: Man kann, man muss aber nicht.» Das betrifft auch den Zugang zu den Wohnungen; dieser führt über einen Laubengang mit Blick zum Dorf und ist so breit angelegt, dass er als Begegnungszone genutzt werden kann. Wenn es denn gewünscht ist. Falls nicht, können sich die Bewohnenden auf die andere Seite des Hauses zurückziehen, auf den Balkon mit Bergsicht. Geborgenheit ja, jedoch nicht als Vorgabe, sondern als Eigendynamik; so stellt sich Niklaus Schöchlin die Stimmung vor, die dereinst auf die Bewohnenden wirken soll. In zwei Liegenschaften, die sich in das Dorfbild einfügen, in nachhaltiger und enkeltauglicher Bauweise mit zeitgerechten Grundinstallationen gebaut sind und an folgende Generationen übergeben werden können. Sinnbildlich für das Streben nach Langlebigkeit stehen neben dem Eingang zu IMMO-ERBEN Regale und Tische, auf denen verschiedenste Produkte platziert sind. «Wiederverwend BAR», heisst die Ansammlung, und der Name ist Programm. Die Gegenstände stammen aus aufgelösten Haushalten und stehen zur Verfügung. «Einige Artikel sind angeschrieben mit einem Wunschpreis, für die anderen entrichtet man den Preis nach Gutdünken in ein Kässeli», sagt Niklaus Schöchlin. «Den kleinen Rest der Ware geben wir sortiert in die Entsorgung.» Die «Wiederverwend BAR» sei bei der Bevölkerung gefragt und wird auch bei den Neubauten ihren Platz haben. Womit für eine weitere Begegnungszone gesorgt ist.
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