Konsum, der Begriff steht im Duden für Verbrauch, Verzehr und Genuss. Was verbraucht ist, ist weg – in der Kehrichtverbrennung oder der Recyclinganlage. Was verzehrt ist, dient nach der Verarbeitung im Körper immerhin noch als Dünger oder als Energielieferant bei der Verwertung in der Kläranlage. Was genossen ist, ja, was ist damit? Genuss hat mit Freude zu tun. Genuss braucht ein gutes Mass, damit es dabei bleibt. Zum Geniessen braucht es Zeit, welche man eigens dafür investiert. Dann ist etwas nicht einfach verzehrt und weg, dann bleibt irgendwo etwas hängen, das der Seele gut tut.
In unserer Schule möchten wir die Kinder heranführen an die grossen Themen Respekt, Vertrauen, Wertschätzung und sie begleiten in ihrer Entwicklung hin zu starken Menschen, welche für sich und für die Gemeinschaft Verantwortung übernehmen. Diese Vision treibt mich an, meinen Beruf mit Freude auszuüben. Diese Werte bleiben bestehen, da kann die Welt noch so verrückt spielen. Sie sind überall präsent, gerade auch in der Wirtschaft. Sich akzeptiert und sogar als Teil eines Unternehmens zu fühlen und in seinen Fähigkeiten geschätzt zu werden, führt zu Sicherheit. Kann diese in einem System erreicht werden, ist der Boden fruchtbar, kann vieles darauf gedeihen.
Respektvolle Menschen achten auf sich und andere, auf die Natur und interessieren sich für Zusammenhänge. Da sind wir mittendrin im Thema Konsum. Wir leben hier in einem Land, in welchem alles zu haben ist. Unsere Kinder sind eingedeckt mit Spielsachen, mit Geräten aller Art. Diesen Umstand haben sie sich nicht selber ausgewählt. In ihrer Generation sind sie erstmals durch Corona mit Verzicht konfrontiert worden. Nach Lockdown und Quarantäne sind die allermeisten Kinder mit grosser Freude wieder in den Unterricht an der Schule gekommen. Die Bildschirmzeit hatte sich wohl vielerorts erhöht, schön zu sehen, dass diese Art von Konsum nicht reicht, um sich lebendig und sozial wirksam zu fühlen. Die grosse Herausforderung für die neue Generation ist es, sich im Dschungel von Möglichkeiten und Angeboten zurechtzufinden. Wir versuchen, die Wünsche der Kinder zu berücksichtigen, ihr Individuum zu beachten. Oftmals geben wir Erwachsenen Entscheidungen an die Kinder weiter, welche eigentlich wir treffen sollten. So oder so sind die Kinder gezwungen, sich unzählige Male pro Tag zu entscheiden. Das ist sehr anstrengend, wenn man am liebsten alles hätte oder nichts verpassen möchte. Dabei den Überblick zu behalten, ist eine Monsterleistung.
Als Schule begegnen wir dem immer deutlicher hervortretenden Individualismus mit neuen Unterrichtsformen. Unsere Gesellschaft braucht soziale, kreative, leistungsfähige Menschen, welche sich auf eine Sache konzentrieren können. Wir sind gefordert in einer Welt im Umbruch, Nachhaltigkeit muss eine Selbstverständlichkeit werden in allen Bereichen. Diese beginnt im Kleinen, im eigenen Umfeld, im Umgang mit sich und der Welt. Der Lehrplan 21 zielt auf diese Begleitung ab, Schülerinnen und Schüler sollen Kompetenzen erreichen, welche sie fit machen fürs Leben. So steht beispielsweise «Schülerinnen und Schüler können Grundbedürfnisse von Menschen nach Dringlichkeit ordnen und Wünsche von überlebenswichtigen Bedürfnissen unterschieden.» Hand aufs Herz, besitzen wir Erwachsenen diese Kompetenz in allen Belangen? In unserer Schule steht Beziehungsarbeit an oberster Stelle. Wenn sich die Kinder ok fühlen, ihre Gefühle wahrnehmen und ausdrücken lernen, lassen sich auch Konflikte klären. Daraus wächst eine Haltung zu Nachhaltigkeit und Vertrauen, zu einem Boden unter den Füssen. Wer standhaft ist, kann entscheiden, ja oder nein sagen und dabeibleiben. Verzicht zugunsten, nicht auf Kosten von Lebensqualität. Schenken Sie Ihren Kindern Zeit und geniessen Sie es, es ist ein kostbares Gut, man kann es nicht kaufen.
Vreni Bürki, Schulleiterin Schule Guggisberg