Sie haben dann die ersten sechs Wochen der Jahresschule Belp absolviert; es sind die ersten Schulwochen dieses Pilotprojektes, das es so in der Schweizer Volksschule bisher noch nicht gegeben hat: 6 fixe Ferienwochen pro Jahr anstatt 14, dazu kommen 8 optional und flexibel beziehbare freie Tage. Im Gegenzug besuchen die Kinder nur an vier anstatt an fünf Tagen pro Woche den Unterricht.
Wechselnde Betreuung
Frühmorgens Tagesschule, vormittags Unterricht, am Mittag wieder Tagesschule – womöglich an einem anderen Standort und mit anderen Betreuungspersonen. Dann Nachmittagsunterricht und zum Schluss wieder in die Tagesschule – im schlimmsten Fall wieder mit anderen Betreuenden. So sieht die Realität für viele Schulkinder aus, auch in Belp. «Müssen diese vielen Wechsel wirklich sein?», fragte sich Daniela Schädeli über die Jahre immer wieder. In ihrer Zeit als Lehrerin, als Schulleiterin und als Doktorandin begegnete der heutigen Belper Abteilungsleiterin Familie und Bildung die Thematik auf verschiedenen Ebenen. «Wir haben so viele Ressourcen», sagt sie. «Würde man die anders zusammensetzen, könnte man viel mehr herausholen.»
Einfach mal wagen
Hätte, könnte, sollte, würde: Viele Eltern, Fachpersonen und Behördenmitglieder ringen mit Realitäten, die nicht ideal sind. Daniela Schädeli ist eine von denen, die anpackt. «Vielleicht bin ich manchmal etwas naiv – in dem Sinn, dass ich nicht ewig darüber nachdenke, warum etwas nicht klappen könnte, sondern es einfach mal wage», sinniert sie. Gerade im Bereich Schule seien die Bedingungen nie alle perfekt – wolle man darauf warten, fange man nie an, etwas umzusetzen. Sie plädiert dafür, häufiger etwas zu wagen. Natürlich nicht kopflos, aber «gut genug, um es ausprobieren zu können». Gleich an ihrem ersten Arbeitstag im August 2024 sprach sie deshalb den damaligen Gemeindepräsidenten Benjamin Marti auf die Idee einer Jahresschule an: Die Kinder würden ganztags vom Morgen bis am Abend von denselben Personen betreut, vier Tage pro Woche, mit 6 Wochen Ferien im Jahr. Der Vorteil: Gerade in Familien, in denen beide Elternteile arbeiten, verbessert sich die Betreuungssituation. Manche Eltern müssen ihre 4 bis 5 Wochen Ferien nacheinander beziehen, um die 14 Schulferienwochen abdecken zu können. Manche Kinder gehen von Tagesschule zu Nachbarn zu allein daheim, weil es nicht anders machbar ist. Zumindest für rund 20 Belper Familien hat sich nun eine neue Möglichkeit eröffnet. Ihre Kinder sind an jedem Schultag vom gleichen fünfköpfigen Team betreut. Sie kochen zusammen, haben Unterricht, spielen und lernen: mehr Konstanz für die Kinder und eine Alternative für die Familien, die mehr Betreuung brauchen. Schädeli ist erleichtert und stolz: «Ich bin allen Involvierten sehr dankbar. Sie haben sich reingekniet und mitgeholfen, Lösungen zu finden.» Sie haben sich aufs Wasser gewagt und etwas noch nie Dagewesenes geschafft. Innert bloss zwei Jahren ist ihre Idee lebendig geworden