«Gestatten, mein Name ist …»

«Gestatten, mein Name ist …»

Warum hatten Bach, Mozart, Elvis Presley oder Polo Hofer zwei Vornamen? Weshalb heissen Buben auf dem Land meistens anders als jene in der Stadt? Und warum sind einige Mädchennamen auf der ganzen Welt gebräuchlich? Und worauf lassen gewisse Familiennamen schliessen? Eine Spurensuche.

Zwei Vornamen sind gar nicht so selten, deren elf wie beim ehemaligen deutschen Minister zu Guttenberg eher die Ausnahme. Trotzdem haben Karl-Theodor, Maria, Nikolaus, Johann Jacob, Philipp Wilhelm Franz, Sylvester und Joseph je ihre eigene Bedeutung. Zusätzliche Vornamen entsprechen oft einer Familientradition, indem Vornamen von Grosseltern oder Gotte und Götti «angehängt» werden.

Dass von Guttenberg über Plagiatsvorwürfe bezüglich seiner Doktorarbeit stolperte, kommt vielleicht nicht ganz von ungefähr: Jacob hat die Bedeutung von «Gott schützt», aber auch von «Fersenhalter, Betrüger». Kann es sein, dass sich Bedeutungen von (Vor-)Namen auf das Verhalten ihrer Trägerinnen und Träger übertragen?

Das kann durchaus vorkommen, muss aber nicht. Denn bei weitem nicht jeder Urs ist ein tollpatschiger «Bär», der jedem missbeliebigen Gegenüber den Schädel einschlägt – ebenso wenig wie jede Lara gleich eine «liebliche Beschützerin» oder jede Susanne von vornherein eine «zarte Lotusblüte» ist. Eher gar nicht zutreffen würde auch die Bedeutung des Fami-liennamens des Autors: «um sich schlagen, peitschen, fortjagen» oder «schnell erregt, streng, zornig» – angeblich ausgehend vom uralten Dialektbegriff «feuzen». Die zweite (vermutete) Bedeutung ist «feiss, fett, ergiebig», als Adjektiv für eine nahrhafte, fette Wiese im Oberwallis, dem Herkunftsort der ersten Feuzen. Vielleicht zielt «ergiebig» auf den schreiberischen Output des Autors hin? Wer weiss.

Was Familiennamen bedeuten

Namen sagen viel aus über Herkunft, Sprache, Geschichte, gesellschaftlichen Wandel. Wer sich damit beschäftigt, erhält Einblick in die Geschichte und Gegenwart eines Landes oder einer Region.

Familiennamen sind insbesondere interessant, indem sie vor Jahrhunderten aufgrund von Herkunft, Tätigkeit oder Eigenheiten zugeteilt worden waren. Dank der Nachnamen lassen sich einige Familien oder Geschlechter auf mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen (mehr dazu im Kasten).

Bezüglich der Herkunft von Familiennamen gibt es fünf Gruppen:

– Tätigkeit: Berufsnamen geben den Beruf eines Vorvorfahren an, etwa Brönnimann, Fuhrmann, Grieshaber, Meier (Gutsverwalter), Müller, Salzmann, Schneider, Schmied/Schmid, Seiler, Weber oder Zimmermann.

– Wohnsitz: Wohnstättenamen bezeichnen den näheren Wohnort der ersten Vorfahren, zum Beispiel Amberg, Ambühl, Andenmatten, Bühlmann, Imboden, Inauen, Keller, Zumbach, Zumbühl, Zumbrunn, Zumkehr, Zurbuchen.

– Herkunft: Die sogenannten Herkommensnamen geben Auskunft über Herkunftsort oder -region, wie etwa Berger, Berner, Costa, Schweizer, Teutschmann (Bürger von Grindelwald), Thüring, Zürcher oder der «Pseudoadel» von Aesch, von Allmen, von Bergen, von Däniken, von Gunten.

– Übernamen nehmen Charaktereigenschaften oder körperliche Merkmale auf, beispielsweise Bauernfeind, Klein, Kurz, Lang, Roth, Schwarz, Weisskopf.

– Schliesslich gibt es noch die sogenannten Patronyme, also übernommene Vornamen von Vorvätern, teils auch im Genitiv: Albrecht, Ernst, Hansen, Jansen, Peter/Peters, Petersen, Willy.

Manche Namen haben eine sehr lange Tradition, andere wurden erst mit Einwanderung beziehungsweise Einbürgerung sesshaft. Die Namen Fürst und Stauffacher (Rütlischwur) etwa gehen auf 1303 beziehungsweise 1309 zurück, erste Träger der Familiennamen von Flüe lassen sich bis etwa 1417, Wieland bis 1587 (Mühlhausen/Elsass) zurückverfolgen.

Als die zehn meistgebräuchlichen Nachnamen gelten Müller, Meier, Schmid, Keller, Weber, Schneider, Huber, da Silva (vor allem in    der Romandie), Meyer und Steiner. Insgesamt zählt das Bundesamt für Statistik die unglaubliche Zahl von über einer halben Million Nachnamen. Darunter finden sich so ausgefallene Namen wie Abanetsch, Achshalm, Badofwitz, Blümel, Caffy, Czernhausen, Feuerlein, Feuerstein, Yberg, Yung, Zäck, Zangenmeister, Zureich oder Zyper.

… und was Vornamen (aus)sagen

Vornamen werden von den Eltern meistens sehr sorgfältig ausgewählt. Interessanterweise spielt dabei auch der Klang eine Rolle. Dass Beatrice und Bruno besser tönen als Guntmar und Gerlinde, klingt heute verständlich. Früher waren Adelgunde, Ewald oder Sigismund en vogue, wie auch der heute fast unmögliche Vorname Adolf. Nach wie vor beliebt sind Vornamen von Vorfahren oder mit einem religiösen Bezug. Vornamen von Heiligen werden gerne als Zweitname gewählt.

Mit Vornamen werden oft Hoffnungen und auch wünschenswerte positive Charaktereigenschaften verknüpft. Eltern suchen die Vornamen ihrer Kinder mit Bedacht aus. Wie ihre Überlegungen auf die Namensträger übergehen, hat auch mit Erziehung zu tun, bleibt aber letztlich ein Geheimnis.

Vor 50 Jahren waren Stefanie, Sandra, Katrin, Nicole, Melanie und Julia bei den Mädchen und Christian, Stefan, Andreas, Matthias, Jan und Thomas bei den Jungs sehr beliebt. 2024 belegten Emma, Mia und Sofia beziehungsweise Liam, Matteo und Noah die Podestplätze.

Die Hitliste der weiblichen Vornamen per Ende 2025: Sofia, Emma und Mia; weitere beliebte Vornamen sind Maria, Anna, Sandra, Ursula, Monika, Claudia, Nicole, Elisabeth, Ruth, Barbara, Andrea, Daniela, Verena, Silvia, Laura, Christine, Karin, Marie, Sarah, Marianne.

Bei den Buben waren Noah, Liam und Gabriel am beliebtesten; weitere beliebte Vornamen sind Daniel, Thomas, Peter, Christian, Hans, Martin, Michael, Andreas, Markus, David, Marco, Patrick, Stefan, Bruno, Urs, Simon, Marcel, Pascal, René, Walter.

Wie das Bundesamt für Statistik festhält, ist ein Trend zu kürzeren Namen festzustellen: Mädchennamen umfassen 5,69 und Bubennamen 5,47 Buchstaben. Und: «Namen spiegeln den zeitlichen Wandel und den Geschmack ganzer Generationen wider.» Zudem würden sie «Muster aufzeigen, wie sich Einflüsse von Migration, Kultur und Gesellschaft auf die Bevölkerung auswirken.»

«Freut mich! Ich heisse …»

Welche Bedeutung haben einzelne Vornamen? Wir machten die Probe aufs Exempel, und zwar anhand von verschiedenen Gemeindepräsidien in der Gantrischregion.

… Bruno Werthmüller (Heitenried)

Der Vorname war bereits im Mittelalter beliebt und leitet sich von brun («braun», bezogen auf den Braunbären) und von bryn («Schutz», «Rüstung») ab; englische Variante: Brown.

… Carl Bütler (Toffen)

In Deutschland sehr beliebt
(32 %, Karl 68 %), bei uns exklusiver. Altdeutsche Bedeutung: «freier Mann», lateinische Bedeutung «Hariolus» für «Heerführer». Viele «Karls» änderten ihren Vornamen, etwa der Autopionier Carl Friedrich Benz.

… Christian Neuenschwander (Wald)

Das lateinische «Christianus» kommt ursprünglich aus Griechenland und war der Bekennername der ersten Christen (christianus sum: «Ich bin ein Christ»); andere Bedeutungen: «Anhänger Christi, der Gesalbte, der Gesegnete».

… Christoph Läderach (Kehrsatz)

Kurzform von Christopher, englische Variante des griechischen Christophorus, «Christus im Herzen tragend»; auch Kristoff, vgl. Disney-Filme («Eiskönigin»).

… Daniel Bürdel (Plaffeien)

Biblischer Name für «Gott ist mächtig, Gott ist mein Richter»; häufigster Vorname in der Schweiz und aktuell sehr beliebt in Brasilien, England, Irland und Spanien.

… Hans Davatz (Niedermuhlern)

Traditioneller Vorname und Doppelname, etwa Hans-Jürg oder Hans-Peter. Kurzform des biblischen Johannes, «der Herr ist gnädig»; diverse Namenstage.

… Marianne Zürcher (Jaberg)

Französischer Vorname, zusammengesetzt aus Marie und Anne; hebräisch Mariam-ne (Mirjam): «eigenwillig», «selbstbewusst».

… Markus Hirschi (Rüschegg)

Der Vorname basiert auf dem altrömischen Marcus, «dem Mars geweiht». Varianten: Marcos (spanisch), Marcel (französisch), Markos (griechisch), Marc/Mark.

… Michael Bürki (Riggisberg)

… Michael Kammer (Blumenstein)

Biblischer Name, hebräisch für «Wer ist wie Gott?», im Mittelhochdeutschen «gross, stark»; französische Kurzform: Michel.

… Niklaus Köpplin (Guggisberg)

Niklaus, Niklas oder Niclas kommen wieder in Mode; Niklas/Niclas sind die niederdeutsche Form von Nikolaus; Bedeutung im Griechischen: «Volksmenge», «Sieg».

… Therese Ryser (Rüeggisberg)

Der Name stammt aus Griechenland und war im frühen Spanien und bei den Habsburgern sehr beliebt; Bedeutung: «Sommer, Ernte», «Frau von Thirasia» (GR). Verwandt: Teresa, Tessa, Thesi.

Ob diese Vornamen einen Bezug zu ihren Trägerinnen und Trägern haben? Das herauszufinden, wäre eine spannende Aufgabe – vielleicht an einer Gemeindeversammlung?

Namenswechsel – ändert was?

Verändert es jemanden, wenn sie oder er einen anderen Namen annimmt? Wenn eine junge Dame namens Schnorrenberger nach der Heirat den Namen Schneider annimmt, ist das sicher verständlich. Änderungen sind möglich: Nach Revisionen des Eherechts profitieren Frau und Mann von Lockerungen bei der Wahl des (gemeinsamen) Namens. Und wer mit seinem Familiennamen partout nicht einverstanden ist, kann innerhalb eines engen Rahmens einen anderen Namen annehmen.

Herkunft entdecken, das Heute besser verstehen

Was versteckt sich hinter Ihrem Familiennamen, was könnte sich hinter Ihren Vornamen verstecken? Das könnte eine interessante Hausaufgabe für stille Stunden in der dunkleren Jahreszeit sein.

Diesbezüglich gibt es heute einige wertvolle Hilfsmittel, etwa das Familiennamenbuch, den Familiennamenatlas der Deutschschweiz von der Universität Bern oder das Historische Familienlexikon der Schweiz (auch digital verfügbar). Hier lassen sich beliebige Familiennamen eingeben, auf Wunsch auch mit Angabe eines Gemeinde- und/oder Kantonsnamens. Innert kürzester Zeit präsentiert das System eine Übersicht über Herkunfts- und Heimatort beziehungsweise die Jahrzahlen einer allfälligen Einbürgerung in einem anderen Kanton.

So lässt sich feststellen, dass etliche der vor rund 600 Jahren aus dem «fetten» Oberwallis (Goms und Lötschental) über die Grimsel oder den Lötschenpass ins steinige Berner Oberland eingewanderten Walser den Namen Feuz erhielten. Während sie sich teils in Stechelberg beziehungsweise Lauterbrunnen niederliessen, zog es andere nach Gsteigwiler oder Beatenberg. Diese drei Gemeinden gelten als häufigste Heimatorte. Während der berühmte Namensvetter Beat Feuz wahrscheinlich (auch) Bürger von Schangnau ist, ist der Familienzweig des Autors in Lauterbrunnen heimatberechtigt.

Als Folge der Auswanderung aus wirtschaftlichen Gründen in den Jura oder in Industriekantone haben andere Feuz-Zweige Heimatorte wie Colombier/NE, Genf, Basel oder Zürich.

Wer seinem Namen nachgehen möchte, ist in guter Gesellschaft. Ahnenforschung oder Genealogie ist beliebt. Nicht von ungefähr, scheint es: Wer die Vergangenheit kennt, versteht die Gegenwart besser, gestaltet Zukunft anders.

Ahnenforschung weckt Verständnis für die Vorfahren, macht Wurzeln und Herkunft sichtbar und ermöglicht einen neuen Blick auf den eigenen Namen, die eigene Person. Vielleicht sind die Erwartungen zu hoch? Schliesslich bedeutet Thomas ja «der Zweifler»…

familiennamenbuch.ch | hfls.ch
familiennamenatlas.unibe.ch

Würde bringt oft Bürde
Familiennamen wie von Fellenberg oder von Tscharner haben nach wie vor den Nimbus des Erhaben-Unnahbaren der früheren Oberschicht. Seit Gründung des Bundesstaats 1848 haben sie keine rechtliche Bedeutung mehr, indes aber historisch, gründeten Vorfahren doch Städte, lenkten jahrhundertelang die Politik und hatten häufig öffentliche Ämter inne.
Adelstitel sind mit keinen staatlichen Privilegien mehr verbunden. Nachkommen bekannter Adliger engagieren sich zwar noch in der Politik (aufgrund demokratischer Wahlen, nicht der Abstammung), bewohnen relativ unauffällig den Familienstammsitz oder engagieren sich etwa als Winzer oder Gutsbesitzer.
Die von Allmen, von Ballmoos oder von Bergen haben primär eine bäuerliche Herkunft und gehörten nicht zur Oberschicht. Wie der verarmte Detektiv Johann Friedrich (von) Allmen bei Moritz Suter umgibt sie aber ein Hauch des Speziellen. Der Name von Allmen hat seinen Ursprung im Wort «Allmend» – kein Herrschaftsgut also, sondern ein gemeinschaftlich genutztes Areal. Der erste «von Allmen» war  eher einer von vielen Gleichartigen, wenn vielleicht auch einer der vornehmeren Sorte.

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