Im Musikschaffen in der Region zeichnet sich Grosses ab. Weil die Schweizer Erstaufführung eines Meisterwerks der Chormusik getrost so benannt werden darf. Auch die Bezeichnung als Friedensmusik trifft auf das Werk, das in Deutschland Mitte des 18. Jahrhunderts zum Jubiläum des 200-jährigen Bestehens des Religionsfriedens entstanden ist, zu. Geschrieben als Oratorium, also der Vertonung einer ursprünglich geistlichen Erzählung für Orchester, Chor und Solisten. Allfälligen Einwänden, solches könne Laien etwas gar kompliziert erscheinen oder solche gar von einem Konzertbesuch abhalten, widerspricht Eva Sutter mit Vehemenz: «In erster Linie muss mir als Sängerin ein Stück einfach gefallen. Und das tut es, es ist sehr schön zum Singen.» Die Co-Präsidentin des Singkreises Wahlern ergänzt, dass die Musik und der Chor sehr zugänglich seien zum Hören. Diese Feststellung unterstreicht auch Matthias Stefan, Chorleiter und Dirigent der beiden Chöre und nun im Zentrum des musikalischen Grossprojektes: «Obschon die gesungenen Texte ernst sind, ist das Klangerlebnis farbig und abwechslungsreich. Dazu trägt auch das Instrumental-Ensemble bei.»
Ein vergessenes Werk
Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden Singkreise unter seiner Leitung eine Chorgemeinschaft bilden. Gemeinsame Projekte seien immer inspirierend und der Einbezug von professionellen Musikern sowie Musikerinnen bilde jeweils einen Höhepunkt im Chorleben, das als Kernaufgabe sonst vorwiegend im Rahmen von Gottesdiensten stattfinde. Der Chorleiter betont, dass die Idee zur Realisierung der anstehenden Aufführungen nicht von ihm stammt. Diese sei Wolfgang Brunner zu verdanken, seit Jahren ein prägendes Mitglied in der Musikkommission des Singkreises Belp. Matthias Stefan erzählt, dass Brunner vor einigen Jahren eine CD mit dem Friedensoratorium von Telemann entdeckte, das ihm bis anhin unbekannt war. Eingespielt auf Tonträger wurde das Werk unter der Leitung von Reinhard Goebel. Der Dirigent und Experte für Alte Musik hat einen Lehrstuhl am Salzburger Mozarteum und war derjenige, der erstmals auf das vergessene Werk aufmerksam wurde.
Die Suche nach Musiknoten
Vorgängig musste er das gesamte Werk aus der handschriftlichen Fassung des Komponisten transkribieren. «In der Zwischenzeit hatten wir festgestellt», fährt Matthias Stefan fort, «dass keine gedruckten Noten vom Werk bestehen.» Auch die Nachfragen bei Chor und Orchester in Bayern konnten dem Bedürfnis aus Belp nicht nachkommen. Also wurde man direkt an Reinhard Goebel weiterverwiesen, der die Anfrage sehr wohlwollend aufnahm und der Musikkommission die Noten in digitaler Form zur Verfügung stellte. So kam der Singkreis Belp nicht nur unverhofft zu den gewünschten Partituren, sondern auch zur Möglichkeit, eine Schweizer Erstaufführung zu planen. Dies geschieht mittlerweile seit rund zwei Jahren und es ist eine grosse Aufgabe für alle Beteiligten rund um den Chorleiter, der auch den Eigenheiten des Werkes gerecht werden will: «Es war üblich, dass ein Oratorium in mehreren Teilen aufgeteilt wurde, mit einer Predigt dazwischen. Ich habe mich entschieden, zwischen den Teilen einen Kontrast mit Elementen aus der Messe in h-Moll von Bach einzubringen.»
Ein eindrückliches Erlebnis
Das ist jedoch nur ein Teil dessen, was am Ende das grosse Ganze ergibt. Eine besondere Herausforderung sind die Proben mit dem 50-köpfigen Chor und den 21 professionellen Musikerinnen und Musikern, die von der Konzertmeisterin Sabine Stoffer als Ensemble zusammengestellt wurden; dazu kommen vier ebenfalls professionelle Gesangssolisten. «Das Zusammenspiel zwischen Laien und Profis bringt mit sich», erwähnt Matthias Stefan eine Besonderheit, «dass die Proben mit allen Beteiligten nur zweimal stattfinden, da die Professionellen noch andere Engagements haben und Proben mit dem Gesamtensemble hohe Kosten verursachen.» Eva Sutter ist mit den anderen Chormitgliedern jedoch bereits seit Monaten am Proben und sie ist überzeugt, dass ein Konzertbesuch lohnenswert ist: «Es ist ein eindrückliches Erlebnis für uns als Laien, Teil eines so einmaligen Ereignisses zu sein. Und dass es Musik für den Frieden ist, finde ich in diesen kriegerischen Zeiten besonders wichtig.»