Unbarmherzig dunkel wird es im April, als der Schwingklub Sense sein Abendschwinget veranstaltet. Die Stadionbeleuchtung fällt aus, doch der Favorit an diesem Regionalfest, Fabian Staudenmann, findet trotzdem den sicheren Griff und bodigt im Schlussgang den Sensler Silvan Zbinden.
Silvan Zbinden
Der kräftige Blondschopf aus St. Sylvester hat aber aufgezeigt, dass er zu den aufstrebenden Schwingern im Südwestschweizer Schwingverband gehört. Gespannt waren entsprechend die Sensler auf seinen Auftritt am Freiburger Kantonalen in Murten. Nach zwei Startsiegen, darunter auch gegen den Brocken und Greyerzer Hoffnungsträger Laurent Tornare, teilte man ihm den Kronfavoriten, den Eidgenossen und späteren Festsieger Lario Kramer, zu. Zbinden muss auf den Rücken. Weggesteckt hat dies der bald 22-Jährige in Windeseile. Es folgen zwei weitere Siege vor einem frenetischen Publikum und dem glitzernden See im Hintergrund. Viel hat für den Schlussgang nicht gefehlt. Der Kranz ist ihm aber sicher. Wenige Tage zuvor gewinnt er zudem das Regionalfest von Le Mouret.
Christoph Baeriswyl
Und bezwang dabei einen anderen Sensler Hoffnungsträger: Christoph Baeriswyl. Doch sein grosser Auftritt sollte am Freiburger Kantonalen stattfinden. Nach vier Kämpfen und vier Siegen, darunter auch jenen gegen den Eidgenossen Steve Duplan, geht es für Baeriswyl um den Einzug in den Schlussgang. Dabei sollte er Johann Borcard bodigen. Doch es kommt anders als erwartet. Er lässt sich einen kurzen Moment überraschen und das reicht dem Romand, um den Sensler zu bodigen. Weil aber Baeriswyl den letzten Gang wiederum souverän gewinnt, belegt er Rang zwei am Freiburger Kantonalen Schwingfest in Murten.
Leon Pellet
Mit Rang vier für Steven Moser sowie Rang fünf für Silvan Zbinden und Nicolas Sturny kranzen noch drei weitere Sensler in der vermeintlich schönsten Schwingarena der Schweiz am Murtensee.
Schlecht bezahlt ist am Schluss der 19-jährige Leon Pellet. Wie sein Vater überragt er kaum je einen anderen Schwinger, macht dies aber mit offensivem Sport voller Schnellkraft wett. Nach einem Gestellten und drei Siegen teilen ihm die Richter Lario Kramer für den fünften Gang zu. Der bindet den Plaffeier zurück. Pellet hat in dieser Saison reihenweise Eidgenossen zugeteilt bekommen. Schon am Wislisau Schwinget im April steht er Severin Schwander und gleich darauf Fabian Staudenmann gegenüber. Er dürfte die schweren Aufgaben gerne annehmen und daran wachsen. Am Schwarzsee Schwinget am 21. Juni dürfte er sicherlich erneut auf sich aufmerksam machen.
Nicolas Zimmermann
Doch nochmals zurück zum Wislisau Schwinget. Als erstes Regionalfest für viele aus dem Schwingklub Schwarzenburg war der Anlass mit Spezialgast Michael Moser ein ideales Stelldichein. Aufgefallen ist Nicolas Zimmermann, der sich hinter Staudenmann und dem nach wie vor verletzten Michael Ledermann immer mehr zur Nummer drei mausert. Nur von Fabian Staudenmann und Michael Moser musste er sich geschlagen geben. Wenig später, am Mittelländischen Schwingfest in Stettlen, schwingt der Riggisberger gross auf. Rang drei, mit nur einer Niederlage gegen den Eidgenossen Bernhard Kämpf, lässt aufhorchen. Nur eine Woche danach, am Seeländischen Schwingfest in Ipsach, gewinnt er abermals einen Kranz. Hat er bisher seine Gänge gegen die Eidgenossen noch verloren, stellt er diesmal mit Patrick Schenk einen aus dieser Gilde. «Fortsetzung folgt», heisst es für den 24-Jährigen.
Tobias Lauper
Einen weiteren Kranz in der Zwilchhose hat auch Tobias Lauper. Der Oberbalmer belegt am Mittelländischen Schwingfest Rang sieben. Keine Überraschung, denn schon in Plaffeien und in der Wislisau zeigt der erst 19-Jährige seine Klasse. Wie bei Pellet gilt auch bei ihm: Er macht Grösse mit Schnellkraft wett. Mit Betonung auf Kraft. Am Regionalfest in Laupen belegt er Rang drei und sieht lange wie der sichere Schlussgangteilnehmer aus. Der junge Kraftschwinger aus dem Schwingklub Schwarzenburg dürfte in dieser Saison noch viel Freude bereiten. Langweilig wird es sicherlich nie, wenn Lauper mit einem Gegner zusammengreift.
Loris Berger
Freude und Hoffnung herrschen auch im Schwingklub Wattenwil. Nicht zuletzt dank den herausragenden Leistungen von Loris Berger in dieser angebrochenen Saison. In der Wislisau lässt er mit Schlussrang vier aufhorchen. Und dies, obschon er Michael Moser und den späteren Festsieger Adrian Walther auf dem Notenblatt stehen hat. Keine Überraschung mehr, dass auch er am Mittelländischen Schwingfest in Stettlen sich den Kranz sichert. Er verliert dabei keinen einzigen Kampf. Pikantes Detail: Auch Berger gehört mit seinen 20 Jahren und einer Körpergrösse von 1,73 m zu den kleinen, jungen Wilden, wie Lauper und Pellet. Als Walther und Berger zusammengriffen, war der Unterschied deutlich zu sehen. Nichtsdestotrotz musste Walther einige Minuten lang ziehen, bis er den wieselflinken Burgisteiner endlich auf dem Rücken hatte.
Die Eidgenossen
Die Stars aus dem Gantrischgebiet sind natürlich die drei Eidgenossen Fabian Staudenmann, Michael Ledermann und Severin Schwander. Während Staudenmann noch keinen einzigen Gang verloren hat und der souveräne Sieger des Seeländischen Schwingfests wird, muss sich Michael Ledermann noch etwas gedulden. Sein fulminanter Auftritt am Eidgenössischen Schwingfest in Mollis (Rang vier) endete mit einer Verletzung. Er kam zurück aus einer Verletzung und ist nun wieder lange Zeit verletzt. Doch wie die Waldkäuze aus den Tannen in Mamishaus rufen, soll er am Bernisch-Kantonalen Schwingfest im Wankdorf Bern wieder zurück in den Sägemehl-Ring finden. Möge ihm die Gesundheit hold sein und der Start ähnlich fulminant ausfallen wie am Eidgenössischen. Für Severin Schwander gibt es in dieser Saison einige Hochs und Tiefs zu durchleben. Am Mittelländischen in Stettlen brilliert er mit Rang fünf, doch am Oberaargauischen Schwingfest verpasst er den Kranz um einen Viertelpunkt. In welche Richtung es für den Riggisberger Unternehmer geht, wird sich am Schwarzsee und im Wankdorf weisen. Klar ist, dass Schwander beruflich stark eingespannt ist und gegenüber anderen Schwingern sicherlich einen Trainingsnachteil hat. Möge er dies mit seiner Erfahrung wettmachen.
Der Saisonauftakt hat einige spannende Neuigkeiten mit sich gebracht, inklusive Namen, die es sich zu merken gilt. Die Auflistung in diesen Zeilen ist beileibe nicht abschliessend. Es gäbe noch einige hoffnungsvolle Momente zu erwähnen, etwa die Rückkehr von Joel Zimmermann nach seinem Fingerbruch oder immer wieder gute Gänge der ganz jungen Garde aus Schwarzenburg mit Joel Blatter aus Oberbütschel, Lorin und Benjamin Burren aus Gasel sowie Noa Inäbnit aus Rüschegg, um nur einige zu nennen. Sie machen am Regionalen Fest in Laupen mit vorderen Rängen auf sich aufmerksam. Ihre Jagd nach dem ersten Kranz hat begonnen. Der Sog der Erfolgreichen kann zu Ansporn gereichen. Egal auf welcher Seite der Sense, es sind einige Namen aus der Region Gantrisch, die in dieser Saison viel Freude bereiten. Die grossen Feste können kommen, die Schwingklubs aus dem Gantrischgebiet werden mit grossen und neuen Namen sicherlich noch einiges bieten. Der Gammen bezeichnet einen Angriffsschwung, der den Gegner mit viel Druck nach vorne und eingehaktem Bein zu Boden zwingt. Dieser Schwung passt ganz gut zur bisherigen Saison der hiesigen Schwinger. Ihr Auftakt war angriffig, druckvoll und hat einige auf den Rücken gezwungen. So lässt sich das Bisherige vielleicht als Gantrisch-Gammen ganz gut
zusammenfassen.
Die weiteren Saison-Höhepunkte
21. Juni: Schwarzsee Schwinget
5. Juli: Bernisch Kantonales
11. Juli: Weissenstein Schwinget
19. Juli: Rigi Schwinget
26. Juli: Brünig Schwinget
26. Juli: Südwestschweizer
16. August: Schwägalp
5. September: Kilchberg
Und wer die Jugendlichen gerne einmal im Sägemehl beobachten möchte, dem sei der Jungschwingertag in Mamishaus am 2. August ans Herz gelegt.