Mehr als nur Biogemüse

Mehr als nur Biogemüse

10 Jahre reiche Ernte – dank regenerativer Landwirtschaft: «Was ich produziere, soll für meine Kundschaft mehr als nur Biogemüse sein.» Philippe Riem steht mit einer Handvoll Erde mitten in seinem Gemüsefeld. Ein «Optimum an Nährstoffen und Spurenelementen» solle der Humus enthalten, in dem Salat, Radieschen oder Broccoli gedeihen.

Seit dem 15. Jahrhundert «bauert» die Familie Riem in Kirchdorf, seit 1985 mit biologischem Landbau. Der 35-Jährige führt den Betrieb nun in der 16. Generation. Mit dem Hauslieferdienst schlug er bei der Übernahme vor zehn Jahren ein neues Kapitel auf.

Söili und Nutzhanf statt Spritzmittel

Bohnenkraut, Eichblattsalat, Fenchel oder Rüebli. Kartoffeln, Knoblauch, Oregano oder Randen. Hanfnüsse, Radiesli, Süsslupinen oder Wassermelonen: Auf knapp 10 ha bauen Philippe Riem und sein Team fast alles an, was unter hiesigen Bedingungen wächst. Mischkulturen, Blühstreifen für Nützlinge, Effektive Mikroorganismen oder Komposttee sorgen für gesunde Kulturen. «Wir verzichten auf sämtliche Pflanzenschutzmittel, auch auf solche, die bei Bio Suisse erlaubt wären», betont Riem. Um den Boden möglichst wenig zu belasten, zählt er auf tierische Mithilfe: Dank «Wolli» und «Stupsi» entfallen viele Traktorfahrten auf dem Gemüsefeld. Die beiden Wollschweindamen verwerten auf den abgeernteten Reihen Gemüsereste und pflügen mit ihren Nasen den Boden um. Um diesen zusätzlich aufzulockern, pflanzen Riems in Fruchtfolge Nutzhanf an – nicht zu verwechseln mit THC- oder CBD-haltigem Hanf. «Seine Wurzeln gehen bis zu drei Meter tief in den Boden und schaffen Gänge für Luft und Wasser», schwärmt der Biolandwirt.

«Regenerative Landwirtschaft» ist das Stichwort der Stunde, wenn es um gesunde, fruchtbare Böden und umweltfreundliche Bewirtschaftung geht. Philippe Riem ist Mitglied beim Verein Regenerativ Schweiz, absolviert Weiterbildungskurse und tauscht sich regelmässig mit Gleichgesinnten aus, um die Komplexität der Boden- und Pflanzengesundheit noch besser zu verstehen.

Flexibler Lieferdienst mit Solarstrom

Die Ernte dieser Bemühungen ist nicht nur im Hofladen erhältlich. Das Bioriem-Team ist auf fünf Wochenmärkten präsent, etwa in Belp. Am bequemsten erhalten die Kundinnen und Kunden die frische Ware per Lieferdienst. Seit 2015 fahren elektrische Lieferwagen mit Solarstrom vom Hofdach die Bioriem- und Partnerprodukte in die Regionen Thun und Bern. Vom Gürbetal über Riggisberg und Oberbalm bis Lanzenhäusern ist auch das Gantrischgebiet zu einem guten Teil abgedeckt. «Wir sind offen für eine Erweiterung, wenn sich genug Leute aus einer Gemeinde melden», sagt Riem. Die Hauslieferung zeichnet sich durch eine hohe Flexibilität aus: Man kann aus verschiedenen Bioriem-Chischtli auswählen, sich die Bestellung völlig frei im grosszügig bestückten und übersichtlichen Online-Shop zusammenstellen – oder das gewählte Abo bis einen Tag vor der Lieferung noch ergänzen.

Gemüse – sowie Joghurt, Haferdrink oder Fleischprodukte

Nebst den über 130 hofeigenen Produkten, zu denen auch Eier und Fleischprodukte der Legehennen gehören, wird das Sortiment durch zahlreiche Partnerprodukte erweitert – alle aus Biobetrieben. Direktimporte aus Spanien bringen etwa Zitrusfrüchte in die heimische Küche. Tofu, Tempeh oder Seitan aus Frutigen sowie weitere hochwertige vegane Produkte aus der Schweiz, darunter Bio-Haferdrink aus Kallnach in der Mehrwegflasche, sind Teil des Sortiments. Dazu kommen Bio-Weine und -Biere, viele Fleischprodukte, und Gebackenes vom Ängelibeck. Milchprodukte stammen mehrheitlich aus der Dorfchäsi Noflen.

«Unsere Art der Produktion ist aufwändig und erfordert viel Handarbeit», gibt Philippe Riem zu. «Aber wir machen das aus voller Überzeugung. Denn ich kann nur etwas produzieren, woran ich selbst auch grosse Freude habe.»

Info: www.bioriem.ch

10 Jahre Bioriem
Am Samstag und Sonntag, 10. und 11. August, feiert Bioriem das zehnjährige Bestehen. Am Samstag sind alle Interessierten zum grossen Hofmärit eingeladen – mit Angeboten für Klein und Gross. Geführte, rund einstündige Feldrundgänge bieten die beste Möglichkeit, den Betrieb und die regenerative Produktion kennenzulernen. Am Sonntag steht der traditionelle Hofbrunch auf dem Programm (Anmeldung erforderlich). Die Anreise per öV wird empfohlen.

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