Energieoffensive

Energieoffensive

Wenn wir den globalen Temperaturanstieg begrenzen wollen, spielen erneuerbare Energien eine Schlüsselrolle. Dazu gibt es jedoch in der Bevölkerung noch viele Fragen. Der «Tag der Energie» gab Antworten und Denkanstösse.

Der Naturpark Gantrisch und die Wirtschafts-Vision Gantrisch führten am vergangenen 11. September zum ersten Mal den «Tag der Energie» durch – diesmal zum Thema Elektromobilität. Auf dem Gelände der ARA Gürbetal konnten die vielen Besucherinnen und Besucher E-Mobilität live «er-fahr-en». Die Steinbach-Garage «Stop & Go» (Belp) sowie die Marag Garagen (Wabern und Toffen) liessen zahlreiche Interessierte ausprobieren, wie sich eine Fahrt in einem E-Auto anfühlt.

Die Vorbehalte gegenüber der E-Mobilität sind vielfach noch gross: Wie lange reicht die Batterie? Und wie nachhaltig sind die grossen Akkus überhaupt? Tatsächlich lassen sich mit dem Umstieg auf die E-Mobilität nicht alle Umweltprobleme aus dem Weg räumen. Sie hat aber den grossen Vorteil eines deutlich geringeren CO2-Ausstosses pro Kilometer und verursacht weniger Lärm. Stammt der Strom aus erneuerbaren Quellen, verbessert sich die Bilanz noch einmal. Hinzu kommt grosses regionalwirtschaftliches Potenzial: Betanken wir unser E-Auto mit erneuerbarem Strom aus der Region, tragen wir dazu bei, regionale Arbeitsplätze zu erhalten – statt über den Kauf von Erdöl Geld in Weltgegenden zu verschieben, die oft von grossem sozialem Ungleichgewicht und Umweltzerstörung geprägt sind.

Noch nachhaltiger ging es am Stand von Gantrisch Bike & Sport (Riggisberg) zu und her, wo die Gäste – mit etwas elektrischer Unterstützung – in die Pedale treten und die neusten E-Bikes ausprobieren konnten.

Spannendes gab es am Stand des Naturparks Gantrisch zu entdecken: Die Resultate der Forschungsarbeit «Nachhaltige Lebensqualität» der Uni Bern zeigen anschaulich auf, wie zufrieden wir in der Region Gantrisch sind und in welchen Bereichen wir unseren Lebensstil noch nachhaltiger gestalten könnten. Anhand des Spiels «Ein guter Tag hat 100 Punkte» (www.eingutertag.org) konnten die Besuchenden ausprobieren, wie sich ihr eigener Lebensstil auf das Gleichgewicht der Erde auswirkt.

Für viel Interesse sorgte die Führung durch die Abwasserreinigungsanlage Gürbetal. Dank der Energiegewinnung aus Biogas und Solarenergie versorgt sich die Anlage heute zu gut 90 % selbst!

Für das leibliche Wohl – inklusive klimafreundlicheren vegetarischen Alternativen – sorgte das wunderbare Catering der Brönnimanns.

Sind Sie interessiert, Ihren Teil zur Energieoffensive beizutragen? Dann melden Sie sich bei Katharina Conradin, Bereichsleiterin Wirtschaft beim Naturpark Gantrisch:
katharina.conradin@gantrisch.ch

Interview – «Welche Stärken haben wir als Region?»
Jürg Lüthi, was ist Ihr Fazit nach diesem Anlass?
Der Anlass am 11. September war toll und wir sind sehr zufrieden, dass wir so viele Menschen begeistern konnten. Es war ein gelungener Auftakt und ein Symbol für die gute Zusammenarbeit zwischen dem Naturpark und der Wirtschafts-Vision Gantrisch. Trotzdem möchten wir uns etwas Zeit nehmen, um strategisch nachzudenken: Was ist unsere Vision in Bezug auf die erneuerbaren Energien in der Region? Welche Partner müssen wir ins Boot holen? Diese Fragen gehen wir im Winterhalbjahr an. Im Frühsommer 2022 möchten wir den nächsten Anlass auf die Beine stellen.

In welche Richtung könnte es gehen? 
Das Thema erneuerbare Energien ist riesig. Wir müssen uns sehr genau überlegen, welche Stärken wir haben und wo wir Schwerpunkte setzen wollen. Anlässe, um die Bevölkerung zu informieren und zu sensibilisieren und um gleichzeitig zu zeigen, welche innovativen KMU und Lösungen wir bereits in der Region haben, werden weiterhin einen Schwerpunkt bilden. 
Was wäre Ihre Wunschvorstellung? 
Wir möchten die Menschen im Naturpark Gantrisch motivieren, ihren Teil zur Energiewende beizutragen. Wir wollen ihnen praktische Möglichkeiten und erfolgreiche Beispiele aufzeigen. Es gibt schon viele Betriebe in unserer Region, die sich für eine klimafreundliche Zukunft einsetzen und Lösungen anbieten. Wenn es uns gelingt, diese Initiativen sichtbar zu machen, die Menschen zu vernetzen und letztendlich zum Handeln zu bewegen, dann haben wir viel erreicht.

Jürg Lüthi ist Präsident der Wirtschafts-Vision Gantrisch. Der Mühlethurner hat auch das Amt des Gemeindepräsidenten inne und führt ein Malergeschäft.

Genusstipps für einen nachhaltigen Lebensstil

Lebensqualität und Wohlstand sind oft mit einem hohen Ressourcenverbrauch verbunden. Eine gross angelegte Forschungsarbeit der Uni Bern untersuchte, wie die Lebensqualität auch nachhaltig gestaltet werden kann. So wurde etwa nicht nur die Zufriedenheit mit der Mobilität untersucht, sondern auch danach gefragt, ob den Menschen eine praktikable, bezahlbare und umweltfreundliche Mobilität ermöglicht wird – heute und in Zukunft.

Daraus entstanden wertvolle Tipps, wie wir mehr Nachhaltigkeit – kombiniert mit mehr Zufriedenheit und Lebensqualität – in unseren Alltag einbauen können:

Einkaufen vor Ort verbindet und spart Kilometer.
Kaufen wir im Dorf ein, ergibt sich die Gelegenheit für einen kurzen Schwatz. Das ist besser investierte Zeit als die Fahrt mit dem Auto bis zum nächsten Einkaufszentrum. Wir sparen zudem Co2 ein und sichern Arbeitsplätze im Dorf.

Superfood aus der Region wirkt doppelt.
Ersetzen wir den weitgereisten Chia-Samen durch z.B. Lein- oder Mohnsamen aus der Region, wissen wir, woher das Produkt kommt, erhalten wertvolle Verwendungstipps der Produzenten und der Transportweg wird um einiges kürzer.

Weniger Fleisch, dafür von hier.
Reduzieren wir unseren Fleischkonsum auf ein- bis zweimal pro Woche, leben wir gesünder und belasten die Umwelt weniger. Dafür leisten wir uns Fleisch aus der Region und geniessen das Festessen umso mehr!

Der Zug macht das Reisen langsamer, intensiver und ökologischer.
Entscheiden wir uns für eine Feriendestination im näheren Umkreis, können wir nicht nur auf das Flugzeug verzichten, wir erleben durch das langsamere Reisen auch die Landschaft intensiver, entdecken Orte schrittweise und vermeiden Stress beim Check-in.

Bewegung hält gesund.
Wählen wir als Verkehrsmittel das Velo oder gehen wir zu Fuss, verringern wir nicht nur unsere Co2-Emissionen – die Bewegung ist auch gut für unsere Gesundheit.

Quelle: Lebensqualität in Verbindung mit Nachhaltigkeit im Regionalen Naturpark Gantrisch. Universität Bern, CDE (Interdisziplinäres Zentrum für Nachhaltige Entwicklung und Umwelt), Thea Wiesli, Thomas Hammer und Elena Siegrist, 2020

Katharina Conradin

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