«Froue vom See»

«Froue vom See»

Sie trainieren auch bei Regen und Schnee und bestreiten Turniere mit Ehrgeiz. Doch im Zentrum stehen der Spass am Sport und der Zusammenhalt als Team. Nach dem Training erzählen die FC Gerzensee Frauen, warum sie sich als zusammengewürfelte Truppe doch als Einheit verstehen.

Rund tausend Mädchen rennen an einem heissen Junitag auf der Bümplizer Bodenweid dem Ball hinterher. Es läuft der Swiss Girls Cup, das schweizweit grösste Mädchenfussballturnier. Dieses Jahr zum ersten Mal mit der Kategorie 28+. Und dort mittendrin: der FC Gerzensee & Friends. Zwei Monate später rennen sie bei ähnlich heissen Temperaturen auf dem Trainingsplatz im Slalom um orange Hütchen, meistern anspruchsvolle Pass-Übungen und schiessen aufs Tor. Für den Besuch der Journalistin haben sie sogar bei den schon am Morgen rund 30 Grad aufs kühle Aarebad verzichtet und sich die Trikots übergestreift.

«Wir könnten doch auch …»

Seit rund drei Jahren findet sich jeden Freitagmorgen um 8.30 Uhr eine Gruppe von Frauen auf dem Sportplatz des FC Gerzensee ein, um gemeinsam zu trainieren. Einzelne haben als Kind oder Jugendliche in einem Verein gekickt, die meisten sind jedoch über ihre Kinder oder aus eigenem Interesse zum Fussball gekommen. «Im Juni 2023 waren einige von uns als Mütter an einem Eltern-Kind-Match im Einsatz, als die Idee aufkam, wir könnten doch regelmässig zusammen spielen», erzählt Corinne, eine der Initiantinnen und Verantwortlichen des Teams. Bereits im darauffolgenden September fanden die ersten Trainings statt. Es sind mehrheitlich Mütter über 40, die sich hier regelmässig die Noppenschuhe schnüren. Sie gehören keiner Liga an, absolvieren aber jedes Jahr einige Turniere oder Freundschaftsspiele gegen ähnlich gelagerte Teams. Ein Höhepunkt war das Ü30-Turnier im Stadion Wankdorf, das der BSC YB im Vorfeld der Women’s Euro durchführte.

«Sie fragte so lieb»

Seit gut zwei Jahren ist Martin Schmutz Trainer der «Froue vom See», wie sie sich auch nennen. «Ich war in Münsingen Juniorinnen-Trainer, und eines Abends begegnete ich in einem Café der Mutter einer meiner Spielerinnen. Sie sprach mich auf ein mögliches Traineramt an, und weil sie so lieb fragte, sagte ich zu», erzählt er mit einem Augenzwinkern. Astrid, eine der Spielerinnen, entgegnet: «Wer kann schon mit so vielen Frauen den Morgen verbringen?» und erntet Gelächter. Im nahen Restaurant des Schlosses Gerzensee sitzen Team und Trainer jeweils noch zusammen, um sich bei einem Cappuccino vom Training zu erholen. «Es ist eine durchmischte, aber gäbige Truppe», sagt der Trainer. «Ich gestalte das Training jeweils mit verschiedenen Posten zu technischem Können», so Schmutz. Zum Abschluss heisst es meistens: «Mätschle». Manche zeigten Ehrgeiz, andere kämen eher zum Spass. «Manchmal ist es herausfordernd, allen gerecht zu werden.» Zudem nicht alle Berufstätigen regelmässig dabei sein können – doch an den Abenden ist der Kunstrasen bereits voll belegt. Einige haben extra ihren Arbeitstag getauscht, um sich dem Team anschliessen zu können.

«Gemeinsam das Maximum»

Die Älteste im Team ist 52, die Jüngste Anfang 30, die meisten jedoch sind 40 und älter. Fast alle haben Kinder im Schulalter, die selbst teilweise Fussball spielen. «Ich hatte mit Fussball null am Hut, kannte keine der Regeln», erzählt Corinne. Inzwischen ist dies Vergangenheit. «Man bewegt sich, lernt in den gut vorbereiteten und abwechslungsreichen Übungen dazu, übt sich in Geschicklichkeit, Kondition und im Zusammenspiel», fasst es Melanie zusammen. Ausschlaggebend sei aber das Teamgefühl, ergänzen mehrere Mitspielerinnen. Verbindend wirkten auch die Turniere, sagt Christa. «Man ist gemeinsam nervös, gibt zusammen das Maximum, spürt das Adrenalin und freut sich über Erfolge.» Die Spielerinnen freuen sich über Verstärkung und betonen, dass ein Reinschnuppern jederzeit möglich sei.

Man könnte noch mehr. Sich etwa der Alternativliga anschliessen und regelmässiger Spiele austragen. Doch der Konsens der ausgepowerten Fussballerinnen im Innenhof des Schlosses Gerzensee lautet: «Für uns passt es mit Freundschaftsmatches und zwei bis drei Turnieren.» Dort zählten sie zwar jeweils nicht zu den stärksten Teams. «Aber», wirft Melanie ein, «mit unseren rosaroten Stulpen sind wir immer die Mannschaft der Herzen.»

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